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Beten ist wie mit einem Freund telefonieren
Bild: pixabay

Beten ist wie mit einem Freund telefonieren

Daniel Stehling
Ein Beitrag von

Daniel Stehling,

Pastoralreferent und Katholischer Religionslehrer, Fulda
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Hier und da stehen sie noch am Straßenrand. Meist fristen sie ein einsames Dasein, denn sie werden kaum noch gebraucht. Oft sind sie auch schon sehr alt. Ich spreche von öffentlichen Fernsprechern – den guten alten Telefonzellen. Mir war gar nicht bewusst, dass es sie heute noch gibt. Ich telefoniere ja immer mit meinem Handy.

Mein dreijähriger Sohn Linus aber entdeckt seit einigen Wochen bei unseren Spaziergängen durch die Stadt die alten Münz- und Kartentelefone. Wenn er eines sieht, ruft er jedes Mal voller Freude: "Papa, da ein Telefon. Ich möchte meinen Freund anrufen!" Dann rennt Linus los. Zur Telefonzelle. Zieht die Türe auf und reckt und streckt sich. So kommt er an den Hörer. Er nimmt ihn ab und spielt dann, dass er seinen Freund anruft. "Hallo Anton. Ich wollte dich mal wieder anrufen, um dir zu erzählen, wie es mir geht. Wie geht es dir?", höre ich Linus Stimme aus der Telefonzelle. Und ich? Ich stehe draußen vor der Tür und muss warten.

Vor einigen Tagen kam mir beim gefühlt unendlichen Warten vor der Telefonzelle der Spruch meines Religionslehrers aus der Grundschule in den Sinn: "Beten ist wie telefonieren mit einem guten Freund." "Was für ein schönes Bild für das Gebet! Da hatte mein Religionslehrer den Nagel auf den Kopf getroffen", denke ich vor der Telefonzelle stehend. Durch das Gebet bleibe ich in Verbindung mit Gott. Verbringe sozusagen Zeit mit ihm. Halte Zwiesprache mit ihm und kann alle meine Sorgen und Nöte, aber auch meine Freude und mein Dank, mit ihm teilen. Ihm - Gott erzählen. Ganz so wie bei einem guten Freund, einer guten Freundin.

Und als ich vor der Telefonzelle stehe und auf meinen Sohn warte, verbinde ich mich sogleich mit Gott. Ich trage ihm schweigend meine Freude und meinen Dank für die schöne Sommerzeit und den tollen Spaziergang im Park vor und bin so im Gebet. "Tschüss Anton, beim nächsten Telefon rufe ich dich wieder an!", höre ich nach kurzer Zeit Linus in den Hörer rufen. Ich schmunzle und sage unhörbar: "Tschüss, lieber Gott, beim nächsten Telefon rufe ich dich wieder an!" Und gehe mit Linus weiter meines Weges.

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