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Antisemitismus
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Antisemitismus

Andrea Seeger
Ein Beitrag von

Andrea Seeger,

Evangelische Theologin und Redakteurin der Evangelischen Sonntags-Zeitung
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Die Eintracht ist ja schon seit zehn Tagen weiter in der Europa-League. Der Bundesligist hat sich im Rückspiel im heimatlichen Stadion 3:0 gegen die Mannschaft von Racing Club Straßburg durchgesetzt. Damit haben sich die Hessen für die Gruppenphase qualifiziert. Es war ein wildes, ein giftiges Spiel mit gleich zwei roten Karten.

Nach dem Spiel hat Eintracht Frankfurt mehrere Zuschauer des Stadions verwiesen– wegen antisemitischer Äußerungen. Auch die Zivilcourage blieb auf der Strecke. Das findet Andrea Seeger von der evangelischen Kirche bedenklich.

Bundesligist Eintracht Frankfurt hat durchgegriffen. Und zwar sofort. Mehrere Zuschauer hatten den israelischen Schiedsrichter Orel Grinfeld antisemitisch beschimpft. Ihr Verhalten hatte noch während des Spiels Konsequenzen. Vier Personen sind des Stadions verwiesen worden. Der Verein prüft nun weitere Maßnahmen. Dazu kann gehören, ihnen die Dauerkarte zu kündigen, Hausverbot zu erteilen oder sie ganz aus dem Verein zu werfen.

„Genau das richtige Signal“, findet Felix Klein, der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung. Er lobt die klare Linie der Eintracht. Er sagt: Judenfeindliche Beschimpfungen auf Fußballplätzen häufen sich. Felix Klein fordert deshalb den Deutschen Fußballbund auf, schneller und deutlicher einzuschreiten.

Bemerkenswert an den jüngsten Frankfurter Vorfällen: Die Täter waren nicht nur Fans aus der Kurve. Einer von ihnen saß im feineren Businessbereich. Als der Schiedsrichter nach der Halbzeitpause den Rasen betrat, sagte er „Drecksjude“. Harry Schnabel war Zeuge dieses Vorfalls. Er ist Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland, Gemeindevorsteher in Frankfurt und Eintracht-Fan. Er stellte den Antisemiten zur Rede. Die Antwort: Er könne sagen, was er wolle.

Dem ist nicht so. Der Mann hat seither Stadionverbot.

20 Zuschauer in der Loge haben den Vorfall mitbekommen. Reaktion: keine! Niemand von ihnen ist aufgestanden und hat ihm Einhalt geboten. Ich halte das für  bedenklich. Denn Zivilcourage ist gerade in diesen Zeiten wichtig.

Antisemitismus trifft nicht nur Bürger jüdischen Glaubens. Er trifft uns alle. Wer anständig ist, schaut hin und guckt nicht weg. Wer anständig ist, bleibt nicht still, sondern macht den Mund auf oder holt Hilfe. Wer anständig ist, stellt sich an die Seite derer, die ausgegrenzt und abgewertet werden – nicht nur bei antisemitischen Vorfällen. Gut biblisch könnte man sagen: Handle so, wie du behandelt werden willst.

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