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Advent mit Papa
Bildquelle Pixabay

Advent mit Papa

Andrea Wöllenstein
Ein Beitrag von

Andrea Wöllenstein,

Pfarrerin im Referat Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Marburg
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Ein junger Vater - lockiges Haar, gepflegter Bart, und auf seinem Arm ist ein kleiner Junge, zwei oder drei Jahre alt. Ich habe die beiden im Wald getroffen, bei einer Wanderung in den Herbstferien. Wir waren unterwegs zu einer Mariengrotte. Und da, wo der Weg abzweigt, da standen die beiden. Josef und das Jesuskind. In Stein gemeißelt. Wie ein Wegweiser: Hier geht’s lang. Aber bevor ihr weitergeht, bleibt einen Moment bei uns stehen.

So kennt man ihn nicht. So jung und mit dem Kind auf dem Arm. Auf den Weihnachtsbildern wird Josef meist als alter Mann dargestellt. Er steht am Rand und guckt so, als würde er nicht ganz begreifen, was hier vor sich geht. Das Kind ist bei der Mutter. Alle Aufmerksamkeit gilt den beiden. Dabei war Josef ganz wichtig. Was wäre geworden, wenn er nicht zu seiner Maria gehalten hätte, als sie merkte: Ich bin schwanger. Was wäre aus dem Kind geworden, wenn Josef es nicht beschützt hätte? Es wäre dem Schwert der Soldaten zum Opfer gefallen. In seinem Haus ist Jesus später aufgewachsen. „Josefs Sohn“, hat man ihn genannt. Sein Handwerk hat er gelernt. Und wenn Jesus später von Gott spricht als von einem Vater, der seine Kinder liebt, der offene Arme hat und vergibt, der „eins ist mit dem Sohn“ – dann zeigt das, wie gut das Verhältnis war zwischen Vater und Sohn.

Ich denke an die jungen Väter von heute. Für viele ist es inzwischen selbstverständlich, Elternzeit zu nehmen. Die Kinder versorgen, mit ihnen spielen, für sie kochen. Für beide Seiten ist das eine wichtige Erfahrung. Kinder brauchen Väter. Und Väter müssen die Chance bekommen, eine Beziehung aufzubauen zu ihren Kindern. Mit ihnen Zeit zu verbringen, Verantwortung zu übernehmen. Erziehung, auch religiöse Erziehung, mit zu gestalten.
Mütter neigen ja manchmal dazu, alles an sich zu ziehen. Jedenfalls kenne ich das von mir. Und später beklagen wir uns, dass wir alles alleine machen müssen. Wie wäre es mit einem Vatertag im Advent? Nicht nur Plätzchen backen mit Mama, sondern etwas unternehmen mit Papa: Den Weihnachtsbaum im Wald holen, Geschenke basteln, einen Ausflug machen, das Weihnachtsmärchen anschauen oder selber eins ausdenken …? Kinder brauchen Väter! Die Beziehung zu ihrem Vater wird auch ihr Gottesbild mitprägen. Welche Gefühle, welche Erfahrungen sich einstellen, wenn sie beten „Vater unser im Himmel“, das hängt auch damit zusammen, wie sie ihren Vater erleben. Als einen, der nie Zeit hatte, oder als einen, der für sie da ist und mit dem man Bäume ausreißen kann.

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