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Die Schale mit den Goldadern
Bildquelle Pixabay

Die Schale mit den Goldadern

Jochen Straub
Ein Beitrag von

Jochen Straub,

Seelsorge für Menschen mit Behinderung im Bistum Limburg

Neulich ist es passiert. Es war beim Spülen. Ich war unachtsam und – Krach – eine Schüssel ist in drei Teile zerbrochen. Ich hab mich ziemlich geärgert darüber! Jetzt musste ich die Schüssel wegwerfen, die ich ziemlich gemocht habe.

Ein paar Tage später war in einer Zeitung dann dieser Bericht: In Japan werden zerbrochene kostbare Schalen auf eine besondere Weise repariert. Die Bruchstellen werden mit besonderem Kitt und Lack geflickt und mit Goldstaub. Statt Klebestellen sieht man dann goldene Adern, die das Gefäß durchlaufen. Den Namen dafür habe ich wieder vergessen, aber das Bild von der Schale, die mit Gold repariert worden ist: das ist mir immer noch lebendig vor Augen.

Seitdem begleitet mich dieses Bild. Es hilft mir auch, wenn ich auf die Brüche in meinem Leben schaue. Auch über die ärgere ich mich ja oft sehr. Ich sehe das, was schief geht, was nicht gut läuft – und kann schwer damit umgehen.

Das Bild von der Schale mit dem goldenen Kitt sagt mir: Ich kann auch versuchen, die Brüche mit meinem Leben zu verbinden. Die Stellen im Leben, in denen Brüche sind, wo etwas missglückt scheint: die kann ich besonders in den Blick nehmen – ja darin eine Goldader zu entdecken. Die Goldader zeigt: Gerade solches Missglücktes kann auch wieder schön und gut werden. Gerade im Zerbrochenen wird etwas Wertvolles sichtbar.

Nicht, dass ich mich mehr über die Brüche in meinem Leben freuen kann, aber ich schaffe es besser, diese mit meinem geglückten Leben zu verbinden.

Eine Schale mit Goldadern durchzogen – für mich ist sie ein Lebensbild geworden.

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