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Ein verblüffendes Jesus-Bild…
Bildquelle Pixabay

Ein verblüffendes Jesus-Bild…

Christoph Schäfer
Ein Beitrag von

Christoph Schäfer,

Katholischer Religionslehrer, Rüsselsheim

Als Religionslehrer habe ich oft wirklich schöne Aha-Erlebnisse, denn immer wieder kommen Schüler auf Ideen, die mich einfach inspirieren. An ein bestimmtes Aha-Erlebnis denke ich dabei besonders gerne zurück: Vor einer Weile habe ich meinem Oberstufenkurs die Hausaufgabe gegeben, für die nächste Religionsstunde ein Bild von Jesus mitzubringen, das sie persönlich anspricht. Praktisch alle Schüler haben die Aufgabe ziemlich ernstgenommen: Viele haben ausgiebig im Internet gesurft und manche sogar wieder in den Unterlagen ihres Firmunterrichts gekramt. Einige haben Freunde interviewt, um auf ein passendes Jesus-Bild zu stoßen. In der nächsten Stunde haben sie dann ihre Bilder zu einer Jesus-Galerie an der Tafel zusammengestellt. Allein die Vielfalt dieser Bilder hab ich schon ziemlich faszinierend gefunden: Ein barockes Bild des auferstandenen Jesus mit goldglitzerndem Heiligenschein prangte neben einem aktuellen Film-Foto, das Jesus mit wilder Lockenmähne als Wüstenprediger zeigt.

Ein Ausstellungsstück in dieser Jesus-Galerie hat mich besonders verblüfft: Ein Schüler hat kein Bild, sondern einen Spiegel an die Tafel gehängt. Und seine Aktion mit bemerkenswerten Worten begründet. „Wenn ich in den Spiegel schaue“, hat er gesagt, „dann verstehe ich, dass in Jesus Gott wirklich Mensch geworden ist.“ Das bedeutet für ihn: Gott liebt jeden einzelnen Menschen. Und jeder gläubige Mensch soll konsequent versuchen, sich an Jesus zu orientieren: anderen helfen. Gewaltfrei sein. Und Vertrauen haben, dass Gott es mit der Welt wirklich gut meint.

Mir haben diese Gedanken sofort eingeleuchtet. Und ich finde die Idee mit dem Spiegel einfach genial. Aktueller als so ein motivierender und gleichzeitig selbstkritischer Blick in den Spiegel kann ein Jesus-Bild kaum sein. Aus dieser Unterrichtsstunde bin ich wirklich bereichert und beschenkt herausgegangen. Und der Gedanke an solche besonderen Momente tut mir einfach gut: Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, muss ich jetzt manchmal an den klugen Schüler mit seiner ungewöhnlichen Idee denken. Und mir wird dann wieder bewusst, was mich an der christlichen Botschaft so fasziniert: Gott ist Mensch geworden. Weil er uns Menschen liebt.

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