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Zukunft wird gut

Zukunft wird gut

Pia Arnold-Rammé
Ein Beitrag von

Pia Arnold-Rammé,

Katholische Pastoralreferentin, Referentin für Sozialpastoral, Frankfurt
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Überfüllte Intensivstationen, Ärztinnen und Pfleger am Limit, Zahlen von Kranken und Toten, Armeelaster zu Leichenwagen umfunktioniert: Wenn ich mir zu Zeit abends die Nachrichten ansehe, bekomme ich Angst. Ich will so nicht krank sein, denke ich mir dann. Meistens sehe ich mir danach eine Komödie an, oder irgendwas Witziges, zum Ablenken. Doch sie kommt wieder, die Angst, manchmal auch tagsüber.

Und ich suche nach tröstlichen Texten. Die finde ich meistens in der Bibel oder im Gebet. Doch neulich bin ich auf einen Text von Matthias Horx, dem Zukunftsforscher, gestoßen. Und der gibt mir seitdem Halt. Er macht etwas, das er Re-gnose nennt, im Unterschied zur Pro-gnose: Man schaut nicht in die Zukunft, sondern von der Zukunft zurück in die Vergangenheit. Also stellt er sich vor, es ist Herbst 2020, und er schaut zurück auf das, was seit dem Frühjahr passiert ist.

Es ist eine Art Vision. In der entdeckt Horx ganz viele positive Veränderungen, die diese Krise bewirkt hat. So führt z.B. der soziale Verzicht nicht zur Vereinsamung, sondern zu einer neuen Nähe zwischen den Menschen; so wie nach Intervallfasten das Essen wieder viel besser schmeckt. Oder eine weitere positive Veränderung: Wir denken durch die Krise über unsere Art des Wirtschaftens ganz neu nach. Ortsnahe und lokale Produktionen boomen plötzlich. Und auch die Politik verändert sich in dieser Zukunfts-Vision zum Guten: Politik wird wieder verstanden als Form, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Man merkt: Politiker, die spalten und Menschen gegeneinander aufhetzen, haben in Krisenzeiten nichts beizutragen.

Auch Wissenschaft, so heißt es da, wird wieder neu ernst genommen und fake news verlieren an Wert.

Mich hat diese positive Sicht des Zukunftsforschers Horx auf die Auswirkungen dieser Krise begeistert. Wenn sich natürlich auch Skepsis in mir regt: Sieht er nicht vielleicht alles zu positiv? Und momentan ist eben noch nicht Herbst, sondern Frühjahr 2020, und ich lebe mitten drin, in der Krise. Doch es gibt auch jetzt schon Anzeichen für Hoffnung, da hat er recht.

Welche Bilder werden hängen bleiben? Sicher auch die Leichenwagen und die überfüllten Intensivstationen, aber eben auch die singenden Italiener auf ihren Balkonen und die vielen helfenden Hände und kreativen Ideen in der Krise. Horx beendet seinen Artikel so: „System reset. Cool down! Musik auf den Balkonen! So geht Zukunft.“ 

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