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Zeuge sein
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Zeuge sein

Christoph Hartmann
Ein Beitrag von

Christoph Hartmann,

Lehrer und Referent für Schulpastoral, Fulda
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Gerichtsverhandlungen brauchen Zeugen. Auch im Familienalltag sind Zeugen bei dem ein oder anderen Malheur wichtig. Aber das Wort Zeuge begegnet mir auch noch in anderen Zusammenhängen. Da gibt es am Ende eines Schuljahres Zeugnisse. Es gibt Zeitzeugen. Es gibt Menschen, die von ihren persönlichen Lebenserfahrungen Zeugnis ablegen. Und schließlich gibt es die Glaubenszeugen.

Was aber macht einen Zeugen aus? Um Glaubwürdigkeit zu zeigen, müssen all diese "Zeugen" ehrlich sein. Sie müssen von etwas berichten können, dass sie gesehen bzw. erlebt haben. Ihre Erfahrungen sind wichtig, damit andere sich ein eigenes Bild von einer Sachlage oder einem Geschehen machen können, gerade wenn sie selbst nicht dabei waren. Zeugen helfen dabei, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Manchmal ist das gar nicht so einfach, Zeuge zu sein. Nämlich dann, wenn Zeugenaussagen nicht opportun sind oder der Gegenwind übergroß wird und Zweifel geschürt werden. Dann braucht es Mut, um eine Aussage zu machen und zu dem zu stehen, wie es der Wahrheit entspricht. Nur so gelingt es, Licht ins Dunkel zu bringen. Bei all den genannten Möglichkeiten "Zeuge zu sein", sind mir zwei ganz besonders wichtig:

Vielleicht ahnen Sie es schon: Es sind die Lebens- und Glaubenszeugen. Mit den Menschen, die von ihrem eigenen Leben Zeugnis geben, möchte ich beginnen.

Persönlich haben meine Frau und ich in den letzten Jahren immer wieder die Erfahrung gemacht, dass der Austausch mit anderen Paaren für uns sehr positiv war. Hat sich erst mal die Gelegenheit ergeben, ins Gespräch zu kommen, waren die Themen nicht weit. Wie geht ihr mit der Handy- oder der Tabletnutzung eurer Kinder um? Wie schafft ihr es, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen? Wie denkt ihr über so manche Entwicklungen unserer Tage? In der Regel sind es wirklich gute Gespräche, die in zweierlei Hinsicht auch hilfreich sind. Wir merken, dass auch andere ähnliche, wenn nicht sogar die gleichen Fragen haben wie wir. Wir sind da nicht alleine unterwegs. Und schließlich sind wir dankbar für so manche Anregung. In diesen Gesprächen werden unsere Gesprächspartner zu wahren Lebenszeugen. Es lohnt sich in allen Lebenslagen, solche Menschen bewusst zu suchen. Denn durch ihre Erfahrungen, Einstellungen und auch ihre Weisheit können wir viel lernen. Sie bringen Licht in unser Leben. Oftmals kostet es nur etwas Mut, den ersten Schritt zu gehen und jemanden anzusprechen. Der Rest kommt dann von ganz alleine. Unser Fazit mit den Lebenszeugen: mehr Gelassenheit, praktische Tipps, einfach empfehlenswert.

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Sehr empfehlenswert, wenn es um spirituelle und religiöse Erfahrungen geht, sind Glaubenszeugen. Warum? Weil sie davon berichten können, aus welchen tiefen Quellen sie leben. Woher sie – neben all ihren intellektuellen und praktischen Fähigkeiten – die Kraft für ihren Lebensalltag bekommen.

Carlo Acutis, Mutter Teresa oder Winfried Bonifatius sind hier nur drei von vielen Glaubenszeugen. Ihr Zeugnis weist weit über das alltägliche irdische Leben hinaus. Nach katholischem Verständnis sind Menschen, die Licht in die Welt bringen: Heilige. Sie haben durch ihr Leben Zeugnis gegeben von der großen Liebe Gottes. So strahlt Gottes Licht durch die Zeugen hindurch in unsere Welt.

Carlo Acutis zum Beispiel war ein ganz gewöhnlicher Teenager aus Italien. Er war davon überzeugt, dass Jesus ihm ganz besonders im Brot des Lebens - der Eucharistie - begegnet und ihn förmlich umarmt! Sein Gebet und die gelebte Beziehung zu Jesus haben ihm die Augen für seine Mitmenschen geöffnet. Er verteilte Mittagessen an Obdachlose! Von seinen Ersparnissen kaufte er einen Schlafsack und schenkte diesen einem Obdachlosen. Kurz nach einer Leukämie-Diagnose starb Carlo Acutis sehr überraschend mit nur 15 Jahren. Die große Anteilnahme am Begräbnis des Jungen zeigt, wie hell das Licht war, das durch ihn in die Welt gekommen ist.
Ähnlich war es mit Mutter Teresa. Sie war eine Frau des Gebets und schöpfte Kraft aus diesen Intensivzeiten mit Jesus. Sie half den Ärmsten der Armen. Bildung, medizinische Versorgung und die menschliche Grundsicherung sind bis heute in den zahlreichen Niederlassungen der "Missionarinnen der Nächstenliebe" Schwerpunkte des Engagements. Das Licht, das durch sie in die Welt gekommen ist, brennt bis heute und erhellt das Leben vieler Menschen.

Schließlich leuchtet bis heute das Licht eines Winfried Bonifatius von Fulda in die ganze Welt hinaus. Das Fuldaer Benediktinerkloster gilt als seine Lieblingsgründung. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Bonifatius im heutigen Dom zu Fulda seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Sein Wirken beeindruckt bis heute viele Menschen und zieht Jahr für Jahr zahlreiche Pilger und Wallfahrer an. Sie besuchen sein Grab, beten und lassen sich von ihm stärken. Auch in diesen Zeiten findet heute das traditionelle Bonifatiusfest etwas kleiner und unter verschärften Bedingungen statt.

Musik

Was mir persönlich an Bonifatius gefällt, sind zwei Dinge.

Das Erste: Winfried Bonifatius bricht auf! Er ist aktiv! Gibt sich nicht zufrieden mit den Gegebenheiten vor Ort. Als Mönch in England verspürt er mit 40 Jahren den Ruf, die Frohe Botschaft Jesu Christi in die Welt zu tragen. Er lässt Bekanntes – seine Heimat – zurück. In dem tiefen Vertrauen, dass Gott seinen Weg begleitet, macht er sich auf. Er folgt seiner inneren Stimme – dem göttlichen Ruf. Er möchte seinen Glauben bezeugen. Folgende Fragen können auch mich einladen, hinzuhören. Wohin ruft mich meine innere Stimme? Wer gibt mir Zuversicht und den nötigen Mut aufzubrechen?

Ein zweites ist sein Eifer, mit dem Bonifatius das Evangelium – die Frohe Botschaft – verkündet hat. Ich bin beeindruckt von seinem Schaffensdrang. Bonifatius ist unterwegs. Sein Weg führt ihn von England aufs Festland. Er durchquert unser Land, das damalige Germanien, von Nord nach Süd. Selbst die Alpen halten ihn nicht auf, um schließlich dreimal in seinem Leben, CO2 neutral versteht sich, nach Rom zu reisen. Im Gegensatz zu heute waren diese Reisen mit großen Strapazen und vielen Gefahren verbunden. Er nimmt sie in Kauf, um in Einheit mit dem Papst die Kirche in unserem Land zu reformieren. Da hatte Bonifatius eine ganz klare Vorstellung! In der Verbundenheit mit dem Papst wird deutlich, dass wir nicht der Nabel der Welt, sondern ein Teil eines größeren Ganzen sind. Das war zur damaligen Zeit herausfordernd und ist es heute immer noch. Aber Bonifatius´ damalige Reformation war erfolgreich. Zahlreiche Bistümer hat er wieder auf Vordermann gebracht, neue gegründet und viele Kirchen und Klöster gebaut. Noch im hohen Alter war er unterwegs, um den Menschen von der Frohen Botschaft Zeugnis abzulegen. 754 führt ihn seine letzte Missionsreise nach Friesland. Dort wurde er umgebracht. Klingt irgendwie verrückt, aber auch heute sterben Menschen für ihren Glauben! Da hat sich nicht viel verändert.

Mir jedenfalls imponiert dieser Eifer. Er lässt mich jedoch bescheiden fragen: Wie sieht es mit meinem eigenen Eifer aus? Wofür brenne ich? Und welche Strapazen bin ich bereit auf mich zu nehmen? Aufbruch und Eifer sind zwei Aspekte, die mir an Bonifatius gefallen. Sie haben dazu beigetragen, dass heute noch sein Licht in Fulda und darüber hinaus in ganz Europa zu spüren ist.

Caralo Acutis, Mutter Teresa und Winfried Bonifatius. Drei Menschen, durch die das göttliche Licht die Welt heller gemacht hat. Echte Glaubenszeugen! Ich bin davon überzeugt, dass wir gerade heute mehr Zeugen brauchen, die vom Leben und Glauben Zeugnis ablegen! Menschen, die tief in ihrem Herzen Gott erfahren haben. Durch sie entdecken wir, wie Leben hier und heute gelingen kann, ohne das Ewige aus dem Blick zu verlieren.

Ob Sie es glauben oder nicht, alle Menschen sind dazu berufen, Licht in die Welt zu bringen - Zeugen zu sein. Katholisch formuliert: eben Heilige zu werden.

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