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Wie man Gott eine Freude macht
Bild: medio.tv/Kuester

Wie man Gott eine Freude macht

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Ich war mal der Nikolaus. Vor Jahren im Kindergarten. Der eigentliche Nikolaus war krank, ich sprang ein. Im Nebenzimmer wurde ich gekleidet mit Mantel, Kapuze, Handschuhe und Bart. Ein dickes Buch und einen vollen Sack gab‘s auch. Die Kinder waren im großen Raum versammelt.

Ich war als Nikolaus im Kindergarten

Ich war aufgeregt. Meinen Text kannte ich auswendig. Dann war es soweit. Es klingelte. Die Kinder waren mucksmäuschenstill, ich betrat den Raum. In die Stille hinein begann ich meinen Text mit der tiefsten Stimme, die ich hatte. Ich kam aber nicht weit.

Ein Kind rief: Das ist doch der Pfarrer Becker

Ein Kind rief aus der hinteren Reihe: Ach … das ist doch der Pfarrer Becker. Das war’s mit meinem Nikolaus. Die Anspannung löste sich. Die Kinder fingen an zu lachen, ich lachte mit. Und hörte auf mit meinem Text. Geschenke gab es natürlich. Schöne Lieder sangen wir auch.

Kindern kann man nichts vormachen

Kindern kann man nichts vormachen. Ich weiß nicht genau, was mich verraten hatte. Vielleicht die Stimme. Ich war ja schon öfter bei den Kindern gewesen. Hatte mit ihnen gesungen oder eine Geschichte erzählt. Das müssen sie sich gemerkt haben. Und hörten dann nicht den Bischof Nikolaus, sondern nur den Mann hinter dem Bart. Vor allem aber muss ihnen klar gewesen sein: Der Nikolaus ist jemand, der sich verkleidet. 

Ein bisschen Furcht hatten sie trotzdem, bis sie mich erkannten. Wer von den Kindern weiß schon genau, was passiert, wenn der Nikolaus kommt. Damit war es bald vorbei, zum Glück.

Man darf Kindern keine Angst machen

Man darf Kindern keine Angst machen, weder mit Gott noch mit dem Nikolaus. Es gibt nichts Schlimmeres, als mit Gott zu drohen. Gott droht nicht, Gott liebt. Vor allem Kinder. Der liebe Gott sieht alles - aber das ist keine Drohung.

Einander Liebhaben heißt, Gott eine Freude zu machen

Er sieht ja alles mit Liebe an, glaube ich. Da hatte ich Glück als Kind. Meine Oma bestellte auch immer einen Nikolaus. Als ich sechs Jahre alt war, kam ich ihm auf die Schliche. Das war Herr Wiegel aus der Nachbarschaft. Ich weiß noch, wie er in Mantel und Bart immer sagte: Junge, pass gut auf deine Oma auf; dann machst Du Gott eine Freude. Das habe ich mir gemerkt. Bis heute. Einander Liebhaben heißt, Gott eine Freude zu machen.
 

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