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Wer weint, bleibt Mensch
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Wer weint, bleibt Mensch

Dr. Burkhard Freiherr von Dörnberg
Ein Beitrag von Dr. Burkhard Freiherr von Dörnberg, Evangelischer Pfarrer, Issigheim / Bruchköbel

Man kann jetzt weinen lernen. In Japan, tatsächlich (SPIEGEL-online 1.9.2016). Da gibt es Kurse für Männer. Vorne steht ein junger Mann, der zeigt kurze Filme. Über Männer und Kinder, über kuschelige Tiere und was sonst noch so zu Tränen rührt. Der junge Mann fängt zuerst an zu weinen. Er wird ja dafür bezahlt. Nach und nach weinen andere mit. Sie trauen sich. Öffnen die Tür zu ihren Gefühlen. Es heißt ja, Männer weinen nicht gerne öffentlich. Jetzt dürfen sie. Einer macht es ihnen vor. Bald haben alle Tränen in den Augen. Und weil alle von der gleichen Firma sind, wird das Betriebsklima besser. Das ist der Sinn der Kurse. Männer sollen weicher werden. Dann arbeiten sie entspannt und besser zusammen. Mit anderen Männern und Frauen.

Tränen fürs Betriebsklima. Auch mal eine Idee. Als Junge sagte man

mir: Männer weinen nicht. Männer sind nicht weich, heißt das. Männer sind kräftig und hart. Das ist so falsch wie dumm. Tränen sind wahr. Wie bei Herrn Schweinsteiger am vergangenen Mittwoch. Wer Tränen versteckt, versteckt die Wahrheit. Die Wahrheit über sich. Menschen sind nicht hart. Und wenn sie hart sind, hilft ihnen das nicht. Tränen zeigen, dass wir nicht alles im Griff haben. Im Gegenteil. Manchmal hat das Leben uns im Griff. Und tut weh.

Ich habe mal bitter geweint, mit fast dreißig. Und das Wunder - hinterher ging es mir besser. Der Schmerz war noch der gleiche. Das Leben war nicht anders. Ich war anders. Stärker durch Weinen. Mir war, als könne ich mich besser leiden. Weil ich eben nicht hart und kräftig bin. Und Tränen meist ehrlich sind. Sie zeigen: Ich brauche mehr als mich. Ich brauche Menschen und Gott. Nur sie halten mich zusammen, tragen mich. Wer weint, will Mensch bleiben. Nur Mensch. Und in den Arm genommen werden. Von Gott und der ganzen Welt. 

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