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Vom Suchen und Finden im neuen Jahr
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Vom Suchen und Finden im neuen Jahr

Heidrun Dörken
Ein Beitrag von

Heidrun Dörken,

Evangelische Pfarrerin, Senderbeauftragte für den Hessischen Rundfunk

Es waren gewiss keine Könige, die dem Tag heute seinen Namen gaben. Und ob es drei waren, ist auch nicht bekannt. Doch den Dreikönigstag feiern trotzdem viele. In einigen Bundesländern sogar mit einem gesetzlichen Feiertag und Gottesdiensten. Darüber hinaus in vielen Ländern Europas auch zu Hause mit mehr Lust und Aufwand als Heiligabend . Und das hat einen Grund:

In den Menschen, von denen das Matthäusevangelium erzählt und die später in Legenden zu den drei Königen wurden, kann man sich selbst wiederfinden. Gerade am Anfang des Jahres, wenn man anderen und sich selbst Gutes wünscht. Die Weisen in der biblischen Geschichte haben genau danach gesucht, geleitet von einem Stern. Es waren zwar keine Könige. Die hätten ihren Thron auch kaum verlassen. Sondern suchende und forschende Leute, die sich auf den Weg gemacht hatten, auf eine Reise von Wochen und Monaten. Vermutlich waren es Gelehrte aus der Gegend des heutigen Iraks. Sternkundige in einer Zeit, als Astrologie und Astronomie noch nicht scharf unterschieden waren. Sie suchten aber nicht nach ihrem Sternbild oder Horoskop. Sie folgten einem Stern, von dem sie annahmen: Er weist auf einen besonderen Menschen hin. Deshalb fragten sie auf ihrer Reise: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten.“
Allerdings: Sie haben das zuerst am falschen Ort gefragt. Nämlich am Hof des Königs Herodes. Sie haben da gesucht, wo Glanz, Macht und Reichtum war. Das kommt immer wieder vor. Aber wie viele vor und nach ihnen haben sie dort nicht gefunden, was ihre Sehnsucht erfüllt hat.

Das Wunderbare der Geschichte ist: Sie haben nicht nur gesucht. Sie haben dann auch gefunden. Nach ihrem Irrweg ist ihnen der Stern neu aufgegangen. So dass ihnen klar wurde: Wir müssen woanders weiter suchen, neue Wege gehen. Und dann finden sie. Einen Ort und einen Menschen. Anders, als sie es sich wahrscheinlich geträumt und vorgestellt haben. Am Ende der Geschichte heißt es: „Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut, und gingen in das Haus und fanden das Kind mit Maria, seiner Mutter.“

Auch jetzt im neuen Jahr ist das die Frage: Welchem Stern folge ich, und wohin führt er mich? Hanns Dieter Hüsch, der vor zehn Jahren verstorbene Kabarettist, ist den Spuren der königlichen Weisen gefolgt. Er sagt:

 Ich habe mich auf den Weg gemacht: Wie einer der Könige suchte ich nach einem Lichtpunkt am dunklen Himmel. Wie einer der Hoffnungslosen suchte ich nach einem Funken Hoffnung in dieser Welt. Wie einer aus der Verlorenheit suchte ich ein Zuhause bei Gott. Ich suchte Gott bei den Menschen und fand einen Blick, der mich verstand, und fand eine Hand, die mich suchte, und fand einen Arm, der mich umfasste. Und fand einen Mund, der zu mir Ja sagte. Ich fand Gott nach langem Suchen: Nicht mächtig, nicht prächtig. Sehr bescheiden, alltäglich, als Kind in der Krippe, nackt, frierend, hilflos, mit einem Lächeln durch die Zeiten; das erreichte mich in meinen Dunkelheiten. Gott fängt ganz klein an, auch bei mir.

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