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Vegan
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Vegan

Christoph Wildfang
Ein Beitrag von

Christoph Wildfang,

Evangelischer Pfarrer, Arnoldshain

Ich esse im Moment morgens warm. Und scharf. Ein indischer Freund ist für drei Wochen da. Aus seiner brahmanischen Tradition heraus isst Kuldeep, so heißt mein Freund, nie Fleisch. Keinen Fisch. Keine Eier. Und nichts, wo welche drin sein könnten. Er kocht morgens und abends. Mittags gibt’s nichts. Beim ihm zu Hause ist das immer so.

Ich habe bei ihm die indische Gastfreundschaft kennengelernt – und möchte nun ein Stückchen Gastfreundschaft bewusst zurück schenken. Ich bin eigentlich gewohnt, dass immer was Leckeres im Haus ist. Zurzeit lerne ich das mal ganz anders kennen. Mein Frühstück – und mein Abendessen – ist nun vegan. Er kennt das Wort gar nicht. Seine Vorfahren essen seit hunderten von Jahren so. Gemüse. Schon morgens wird gekocht. Ich kann mir immer drei Gemüsearten aussuchen. Die gibt’s dann. Mit vielen Gewürzen. Die gebraucht er ausgiebig. Für meinen Gaumen ist es immer scharf. Oder schärfer. Oder mega scharf. Abends gibt es dann drei andere Gemüsearten. Mit Brot, dass er frisch macht. Mittags nichts. Wenn ich versehentlich in meinem Kühlschrank nach irgendetwas suche, dann gibt er mir ein paar Erbsen. Er pult sie für mich auf den Hülsen. Fertig. Wenn ich Durst habe, gibt es Wasser. Er erzählt von der Regenzeit zu Hause in Indien.

Manchmal kommen keine Marktfrauen ins Dorf. Dann gibt’s nichts. „Wenn es nichts zu essen gibt, dann trinken wir eben Wasser,“ sagt er. Während seines Besuchs erfahre ich auch für mein Leben einiges: Nie wird etwas weggeschmissen. Es gibt immer etwas zu wenig. Es reicht grad so. Es gibt keinen Nachschlag. Keinen Nachtisch. Nichts aus der Dose oder aus dem Tiefkühlfach. Für ihn nicht mal Besteck. Er benutzt seine Brotfladen wie einen Löffel. Was es immer gibt: das Gebet. Mit Wasser. Eine Art Reinigungsritual.

Und dann meins: „Komm Herr Jesus, sei unser Gast! Segne uns, und was du uns bescheret hast.“ Manchmal fühle ich mich bei dem einfachen Essen Jesus doch ziemlich nahe. Es ist nicht viel. Aber es langt. Und es wird mit Dank aus Gottes Hand genommen. „Amen,“ sagen wir beide.

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