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Unbeschwert und unbefangen
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Unbeschwert und unbefangen

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Neulich habe ich gespielt. In meinem Alter. In der Straßenbahn. Das war noch vor Corona. Nicht weit von mir saß eine Mutter mit Kind. Das Mädchen war etwa vier Jahre alt und hatte das Down-Syndrom. Es wollte spielen. Jeder, der vorbeikam, bekam die Hand hingestreckt; zum Abklatschen.

Das ist, wenn man die Handflächen so aufeinander klatscht wie zur Begrüßung oder zum „Mach’s gut“. Dann entdeckte die Mutter mich und sah, dass ich lachte. Sie kam näher. Wir klatschen uns ab, erst rechts, dann links. Wir gaben uns die Hand und zogen fest: wer ist stärker. Die Nachbarn schauten zu. Einmal gewann das Kind, dann wieder ich. So ging es weiter. Ziehen, drücken, abklatschen. Als eine alte Dame vorbeikam, machte die auch noch mit, freute sich. Sie hatte wohl auch lange nicht gespielt. Das Kind war schuld. Es hatte Freude und machte Freude. Einige um uns herum lachten. Bis ich aussteigen musste. Ein letztes Klatschen. Ich ging. Das Mädchen suchte sich schon neue Partner.

Auch draußen fühlte ich noch. Meine große Hand und ihre kleine Hand, wie beide laut klatschten. So könnte es sein, dachte ich, wenn wir im Paradies sind. Unbeschwert, unbefangen zugewandt. Da geht es nicht um alt oder jung, krank oder gesund, reich oder arm; da geht es um Gut sein und Lachen. Große und Kleine haben Freude, geben Freude. Nicht immer laut, aber immer schön. All das Erdenschwere ist weit weg; leicht sind wir, wie Federn. Und jeden Tag neu dankbar, dass wir endlich angekommen sind: in Gottes Welt. Im Paradies.

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