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Menschen die Angst nehmen
Bildquelle: Maura Barbulescu/Pixabay

Menschen die Angst nehmen

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Es ist sein großer Tag; aber Jack hat Angst. Er ist Autist und hat Angst vor vielen Geräuschen. Aber vor einer Woche ist sein großer Tag. Er bekommt das Abschlusszeugnis. In einer Halle mit Schülern, Eltern, Freunden. Sein Name wird aufgerufen, er geht langsam zur Bühne und hält sich dabei die Ohren zu. Als er beim Direktor angekommen ist, klatschen die Menschen aber gar nicht. Sie tun nur so, stehen auf und winken. Ganz leise. Jack kann die Hände von den Ohren nehmen. Er hatte nicht gehört, wie der Direktor alle gebeten hatte, ausnahmsweise mal ganz still zu sein.

Ein großer Tag für Jack und seine Familie, ein großer Tag für die Schule. Menschen erkennen die Not eines anderen. Und stellen sich darauf ein. Das passiert nicht jeden Tag. Der Direktor freut sich. Und sagt: „Ich glaube an das Mitgefühl.

Auch das ist ja Mitgefühl: einem Menschen die Angst zu nehmen. Es gibt Angst vor so vielem. Manchmal schützt sie uns. Manchmal ist sie übertrieben. Aber sie ist da. Angst kann man nicht wegreden. Aber weglieben, manchmal. Indem man sie ernst nimmt, die Angst der anderen. Man macht sich nicht lustig oder verscheucht sie nicht. Man nimmt sie ernst und reicht seine Hand. Und sein Herz. Man redet nicht drauflos, sondern schweigt mit dem Ängstlichen. Man teilt die Angst des anderen. Dann wird sie nicht gleich leichter, aber leichter erträglich. Es tut einfach gut, wenn jemand da ist. Auch im finsteren Tal. Und darf sich festhalten an dem, was einer so gefühlt hat: Du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

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