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Mal ehrlich! Mit der Zunge fasten
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Mal ehrlich! Mit der Zunge fasten

Bernd Spriestersbach
Ein Beitrag von

Bernd Spriestersbach,

Evangelischer Schulpfarrer und Schulseelsorger, Hanau
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„Jetzt mal ehrlich“, sagen meine Schüler und meinen damit: Das meinen Sie doch nicht ernst. Das ist doch geflunkert. „Mal ehrlich“ – lautet das Motto der Fastenaktion der Evangelischen Kirche in diesem Jahr. Heute beginnt die Fastenzeit. Und die Fastenaktion. "Mal ehrlich! 7 Wochen ohne Lügen". Nicht nur nicht lügen – mit sich selbst und anderen ehrlich umgehen. Über die Wahrheit nachdenken, für die Wahrheit eintreten. Das soll bis Ostern geübt werden.

Ich bin ehrlich. Würde ich so von mir behaupten. Ich lüge nicht. Jedenfalls nicht vorsätzlich. Ich versuche aufrichtig zu sein. Gut, manchmal bediene ich mich einer ‚Notlüge‘: „Am nächsten Wochenende bin ich nicht zu Hause.“ Das stimmt so nicht wirklich. Ich wehre den ungelegenen Besuch ab. Weil er mir so gar nicht passt. Das könnte ich ja auch sagen. Würde den anderen aber vielleicht verletzen. Deshalb die Notlüge. Eine Notlüge, die nicht schadet, sondern den anderen schützt, gebrauchen viele. Sage ich mir.

Dennoch weiß ich: Es wäre besser, ehrlich zu sagen: Nichts gegen euch, aber nächstes Wochenende brauche ich für mich.
Trotz mancher Notlüge würde ich von mir sagen: Eigentlich bin ich ehrlich.

Dennoch will ich bei der Fastenaktion mitmachen. Was ich mir vornehme: nicht so viel reden. Mehr zuhören. Meine Zunge im Zaum halten. Weniger flapsige Sprüche. Keine dummen Bemerkungen.
Also: Mit der Zunge fasten.

Dass das gut ist, weiß schon die Bibel: „Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert; aber die Zunge der Weisen bringt Heilung.“ (Sprüche 12,18) Vorsichtiger soll meine Zunge sein. Bedachter. Umsichtiger. Dadurch heilsam. Meine Worte bedacht und liebevoll wählen. Das will ich versuchen. 

Schön wäre es, wenn in der nächsten Zeit keiner zu mir sagen müsste: „Jetzt mal ehrlich!“ Ob’s gelingt? In sieben Wochen weiß ich mehr.

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