Ihr Suchbegriff
Beitrag anhören:
Männlich, weiblich, divers
GettyImages/RyanJLane

Männlich, weiblich, divers

Dr. Peter Kristen
Ein Beitrag von

Dr. Peter Kristen,

Evangelischer Pfarrer und Studienleiter, Religionspädagogisches Institut Darmstadt
Beitrag anhören:

Auf dem Auto vor mir klebt ein Aufkleber: "Wir stellen ein: Pflegefachkraft (m/w/d)".
Wie sperrig das klingt, hab‘ ich gedacht. Pflegekraft (m/w/d). Die junge Frau im Auto vor mir braucht also eine Kollegin oder einen Kollegen. Es kann auch ein Mensch sein, auf den das "d" zutrifft. Divers heißt das. Aber was ist das eigentlich?

Menschen zwischen den Geschlechtern

Ich hab‘ das meine Freundin Julia gefragt, die ist Ärztin. Sie erklärt mir: Divers meint zum Beispiel Menschen zwischen den Geschlechtern. Ihre Variante des Menschseins passt nicht in unsere üblichen Entweder-oder-Schubladen, mit denen wir uns die Welt einfacher machen.

Etwa 100.000 Menschen in Deutschland sind divers

Ihr körperliches Geschlecht stimmt nicht mit ihrem seelischen Empfinden überein. Ein Sexualforscher sagt es so: das Geschlecht zwischen den Beinen passt nicht zu dem zwischen den Ohren. In Deutschland betrifft das etwa 100000 Menschen, mehr als es Postbotinnen und Postboten gibt.

Genderneutrale Jobanzeigen

Um diverse Menschen einzuschließen, müssen seit zwei Jahren Jobanzeigen genderneutral formuliert werden: m/w/d. Und dann hat Julia eine Frage an mich: Was sagst denn Du als Pfarrer dazu? Sagt die Bibel denn nicht, es gibt nur entweder Mann oder Frau?

Gott schuf den Menschen nach seinem Bild

Ich erzähle von einer der Schöpfungsgeschichten der Bibel. Da heißt es: Gott schuf den Menschen nach seinem Bild. Als Gottes Ebenbild schuf er ihn, männlich und weiblich schuf er sie. - Das verstehe ich so:  Als Ebenbild Gottes stehen alle Menschen in einer besonders nahen Beziehung zu Gott. Schon bevor diese Schöpfungsgeschichte die Menschen männlich und weiblich nennt, haben sie die Aufgabe, Gottes verantwortliche Gegenüber zu sein. Das ist das Entscheidende. 

Von Mona zu Johannes

Julia erinnert dann noch an einen gemeinsamen Bekannten: Denk doch an Johannes, den haben wir ja als Mona kennengelernt. - Mona hatte mit der Zeit zuerst ihre Kleidung verändert und dann langsam ihren Körper dem Geschlecht zwischen ihren Ohren angepasst, mit Hormonen und Operationen. So ist Mona zu Johannes geworden. Jetzt passen sein Körper und seine sexuelle Identität gut zusammen. Seit Johannes ein junger Mann sein kann, geht es ihm richtig gut.

Männlich oder weiblich. Wir wissen inzwischen, dass es auch einiges dazwischen gibt. Das Diverse zu sehen, verunsichert, es irritiert. Ich glaube, es bringt uns aber der Wahrheit näher.

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren