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Kriegsdienst verweigern
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Kriegsdienst verweigern

Jens Haupt
Ein Beitrag von Jens Haupt, Evangelischer landeskirchlicher Pfarrer, Kassel
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In Georgien gibt es eine kleine Glaubensgemeinschaft mit 12.000 Mitgliedern. Sie hat einen merkwürdigen Namen: Georgisch-christlich-evangelisch-protestantische Kirche Biblische Freiheit. Und nicht nur das, alle Mitglieder sind zugleich Priester. Zurab Japaridze, der Gründer dieser Gemeinschaft, erzählt folgende Geschichte: „Es ist gesetzlich so, dass man als Priester befreit ist vom Wehrdienst. Also haben wir eine eigene Kirche gegründet mit eigenen Priestern. Wir haben das dann mit einem jungen Mann durchgespielt: Der ist zur Musterungsbehörde gegangen mit den notwendigen Unterlagen, die ihn als Priester ausweisen. Und es hat geklappt, er musste den Dienst tatsächlich nicht machen. Wir haben das dann öffentlich gemacht: Leute, wir haben hier eine neue Kirche, und wenn du nicht zur Armee willst, komm zu uns, und wir helfen dir.“ Das war die pfiffige Idee von Girchi, zu Deutsch Tannenzapfen, der kleinen Oppositionspartei von Zurab Japaridze. Und die Idee funktioniert. Man gründet eine Kirche und wird dann als Mitglied tatsächlich vom Zwangswehrdienst befreit. Und entgeht dem, was die Aktivisten „moderne Sklaverei“ nennen. Es ist erst 11 Jahre her, dass Georgien und Russland Krieg um Südossetien führten. Da fühlt sich die einjährige Wehrpflicht für Männer zwischen 18 und 27 Jahren bedrohlich an. Aber darf man so mit Religion und Kirche spielen? Es ist kein Spiel, es geht um Gewissensfreiheit, den Dienst mit der Waffe nicht leisten zu können. Ob aus Gewissensgründen oder aus religiöser Überzeugung. Zehntausende Zeugen Jehovas werden weltweit zu Gefängnisstrafen verurteilt, weil sie den Kriegsdienst in jeder Form ablehnen. Solange Menschen dafür bestraft werden, dass sie keinen Waffendienst leisten wollen, darf man auch eine Kirche zu ihrem Schutz gründen.

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