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Im Glauben wachsen
Bild: Pixabay

Im Glauben wachsen

Dr. Anke Spory
Ein Beitrag von

Dr. Anke Spory,

Evangelische Pfarrerin, Bad Homburg-Gonzenheim

Es regnet. Meine Tochter schaut aus dem Fenster auf die nassen Straßen und sagt: Mama, es regnet. Gott will, dass wir wachsen. Gott will, dass wir wachsen. Den Satz, den meine Tochter buchstäblich so meinte, verstehe ich auch im übertragenen Sinne. Am schönsten ist das für mich in einem Lied von Paul Gerhardt ausgedrückt, es heißt: Geh aus mein Herz und suche Freud. Dort heißt es in einer Strophe: Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzeln treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.

Paul Gerhardt gelingt es mit dieser Strophe großartig, das Wachsen und Gedeihen der Natur auf sein persönliches Glaubensleben zu beziehen. Es ist ein gesungenes Gebet. Es ist ein Dank für die Liebe Gottes, die das Herz erfüllt. Sie weckt den Wunsch, in Gott Wurzeln zu treiben und den Glauben zu vertiefen, selbst Früchte zu tragen mit dem, was man tut.

Und lass mich Wurzeln treiben. Das ist der Wunsch, Halt zu finden im Boden. So verwurzelt zu sein, dass die Pflanze im Boden gehalten wird, auch wenn oberirdisch der Sturm an ihr zerrt oder die Sonne brennt. Es kommt darauf an, dass die Wurzeln tief gehen und fest im Erdreich gegründet sind. Wurzeln sind entscheidend für das, was Sichtbares aus ihnen heraus wächst.

Für Paul Gerhardt ist klar: Gott schafft dafür die Rahmenbedingungen. Er ist es, der Raum schafft, damit ein Mensch Gottes Geist beherbergt und aus diesem Geist leben kann. Gott ist es, der den Boden bestellt, damit ein Mensch im Glauben verwurzelt ist.

Manchmal habe ich Zweifel und bin mir nicht sicher, ob meine Glaubenswurzeln mich ausreichend tragen. Es gibt Momente, da wünsche ich mir, mehr Kraft aus dem Glauben schöpfen zu können. Aber ich glaube, das gehört zum Wachsen dazu, auch daran wachse ich. Meine Zweifel gehören zum Glauben. Dann gibt es wieder Zeiten, da merke ich, wie ich durch Schwieriges durchgetragen werde – und hatte das gar nicht erwartet und mir zu viele Sorgen gemacht. Wachsen ist eben was Lebendiges, manchmal Krummes, keine gerade Linie.

Ich halte mich fest an dem Satz: Gott will, dass wir wachsen. Auch der Glaube kann wachsen. Er kann sich weiter entwickeln. Er bleibt nicht unveränderlich und starr. Er kann reifen. Selbst Dürre und ausbleibender Regen übersteht er ab und an. Mit Paul Gerhardts Worten und Bildern, Er hilft, ein guter Baum, eine schöne Blume und Pflanze zu sein.
 

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