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Hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt
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Hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt

Jens Haupt
Ein Beitrag von Jens Haupt, Evangelischer landeskirchlicher Pfarrer, Kassel
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Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den Herrn, deinen Gott, vergisst. Ich lese diesen Bibelvers auf meinem Handy. Ich sitze im Zug und steige gleich aus. Gegenüber vom Bahnhof ist die Tafel. Heute ist Lebensmittelausgabe. Man braucht einen Berechtigungsschein. Damit kann man alle 14 Tage das bekommen, was Geschäfte übrig haben, nicht mehr verkaufen können, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Und das sind Mengen, unvorstellbar! Die Ehrenamtlichen, die die Geschäfte anfahren, um die Lebensmittel abzuholen, haben manchmal Mühe alles in den Transportern unterzubringen.  Sie freuen sich richtig über die vielen noch gut genießbaren Lebensmittel, die in den nächsten Tagen verteilt werden können. Sie wissen, es wird gebraucht. Es sind viele ältere Frauen und Männer, die in der Tafel arbeiten. Sie haben die Zeit, sie nehmen sich die Zeit. Viele von ihnen haben schöne Häuser gebaut, können gut essen und sind satt. Sie wollen etwas zurückgeben von dem Guten, was sie erfahren durften.  Sie wollen helfen, einen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt leisten. Sie tun das auch für viele Flüchtlingsfamilien. Wie kommt es eigentlich, dass manche sich engagieren und andere nicht? Die einen tun es, weil sie das Gute in ihrem Leben nicht als selbstverständlich nehmen. Dankbarkeit ist ein Motiv. Für andere ist es eine bürgerliche Pflicht anderen Gutes zu tun, wenn man es kann. Aktiv gegen Verschwendung von Nahrungsmitteln einzutreten ist für etliche auch ein Antrieb. Wie kommt es, dass so viele aus Dankbarkeit zupacken? Und andere, die auch Grund zur Dankbarkeit hätten, all das Gute in ihrem Leben als selbstverständlich hinnehmen. Die einen lamentieren über den Überfluss in unserem Land, während andere sich aufmachen und wenigstens für einen kleinen Ausgleich zwischen Verschwendung und Armut sorgen.  Hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den Herrn, deinen Gott nicht vergisst. Undankbarkeit macht das Herz überheblich, so habe ich das noch nicht gesehen. Und Gott vergessen macht bequem, unzufrieden und undankbar. Da könnte was dran sein.

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