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Gesalbt
Bild: Peter Weidemann Pfarrbriefservice

Gesalbt

Eva Reuter
Ein Beitrag von

Eva Reuter,

Katholische Dekanatsreferentin, Dekanat Mainz-Stadt, Mainz
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„Du bist gesalbt zum Priester, König und Prophet!“ das sagt der Diakon oder Pfarrer bei einer katholischen Taufe. Er streicht dabei dem Täufling etwas Chrisam-Öl auf die Stirn. Dieses besondere Öl wird normalerweise in der Karwoche vom Bischof für das kommende Jahr geweiht. Es besteht hauptsächlich aus Olivenöl, dem duftende Stoffe beigemischt sind. Das Wort „Chrisam“ ist abgeleitet von altgriechisch chríō „ich salbe“ und davon abgeleitet chrísma „Salböl“ und christós „der Gesalbte“.

Auch ich bin eine „Gesalbte“ – daran erinnere ich mich in dieser Woche. Ich finde, schon in diesem alten Wort schwingt etwas von der Würde mit, die schon seit mehr als 3000 Jahren mit der Salbung verbunden ist: Schon lange vor Christus war es im Heiligen Land üblich, Priester, Könige und Propheten zu salben. Das sollte ein Zeichen sein, dass Gottes Segen auf ihnen ruht und dass sie von Gott her eine neue Autorität bekommen haben.

Die Christen nahmen diese Tradition auf und bewahren sie bis heute: Die englischen Könige werden bei ihrer Krönung bis heute noch gesalbt. Vor allem ist die Salbung aber in der Kirche bei der Taufe und der Firmung erhalten. Der Mensch wird mit Chrisam-Öl auf der Stirn gesalbt. Dadurch soll zum Ausdruck kommen: Dieser Mensch hat eine besondere Würde: Er ist wie ein König, weil er selbst wichtige Entscheidungen treffen kann. Er ist wie ein Prophet, weil er anderen Menschen sein Wissen, seine Erfahrung und seinen Glauben weitergeben kann. Und er ist wie ein Priester, weil er anderen Menschen die frohe Botschaft und den Segen Gottes vermitteln kann.

Wenn ich mir das so überlege, dann spüre ich auf einmal, wie dieses Wissen mich aufrichtet: Ich bin jemand mit einer einzigartigen Würde. Diese Würde kann mir niemand nehmen. Sie bleibt für immer!

Auch wenn das Salböl abgewaschen ist und man den Duft nicht mehr riecht, bleibt die Würde – und die Verantwortung. Denn wenn ich Königin bin, dann trage ich Verantwortung für das, was ich entscheide. Wenn ich Prophetin bin, dann soll ich keine Gerüchte oder Hass-Reden verbreiten, und wenn ich Priesterin bin, dann soll ich nicht verfluchen, sondern segnen. Da spüre ich schon auch die Verantwortung.

Aber ich fühle mich gerade in diesen Zeiten gestärkt durch das Wissen, dass ich nicht allein bin. Gottes Segen ist bei mir, der mich begleitet. Und mit mir gehen viele andere gesalbte Menschen, die sich nach ihren Kräften dafür einsetzen, dass Gottes Segen in der Welt ankommt. Gerade in diesen Zeiten mühen sich viele Menschen darum, gute Entscheidungen zu treffen, wichtige Wahrheiten zu verbreiten und Menschen Mut zuzusprechen.

Nicht nur das Chrisamöl wird in dieser Karwoche neu geweiht, auch das Krankenöl. Mit ihm werden bei der Krankensalbung dem kranken Menschen Stirn und Hände gesalbt. In den Gebeten dazu heißt es: Gott soll die Kranken aufrichten. Auch hier ist das Öl Zeichen dafür, dass Gott Kraft schenkt und Menschen aufrichten will.

In diesem Jahr stärkt mich dieses Wissen besonders: Gott segnet von Anfang an. Er schenkt Kraft und will die Menschen aufrichten.

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