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Finde deinen Rhythmus
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Finde deinen Rhythmus

Dr. Anke Spory
Ein Beitrag von

Dr. Anke Spory,

Evangelische Pfarrerin, Bad Homburg-Gonzenheim
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Frau Schulz arbeitet bei einer Krankenversicherung. Sie ist die Stimme am anderen Ende, wenn die Versicherten anrufen, weil sie eine Frage haben, sie telefoniert mit Ärztinnen und Ärzten, wenn es um die Gebühreneinordnung geht. Frau Schulz telefoniert sechs Stunden am Tag.

Sie erzählt mir, wie anstrengend ihr Beruf ist. Sie arbeitet mit flexiblen Arbeitszeiten. Montags fängt sie manchmal um 14 Uhr an, dienstags dann um 9 Uhr. So geht das die ganze Woche, und die nächste Woche sieht oft wieder ganz anders aus. Klar, manchmal hat das auch Vorteile. Dann kann sie Termine unter der Woche vereinbaren oder einen freien Vormittag nutzen, um ein Paket abzuholen. Auch ihre Mutter freut sich, wenn sie mittags einfach mal vorbei kommt und nicht erst am Abend. Aber die flexiblen Arbeitszeiten haben auch ihren Preis. Ein regelmäßiges Hobby ist für Frau Schulz schwer zu realisieren. Wenn sich die Freundinnen zum Kino verabreden, dann sitzt sie oft am Telefonhörer in ihrer Firma. Wenn sich die Familie am Sonntagnachmittag zu Kaffee und Kuchen trifft, ist Frau Schulz oft auf dem Weg zur Arbeit.

Sie hat ihren eigenen Weg gefunden, damit umzugehen. Ihre Pausen  für sich plant sie so flexibel, wie es ihre Arbeitszeit zulässt. Wenn sie morgens frei hat, dann nimmt sie sich manchmal eine Stunde, um durch die Stadt zu bummeln, wenn sie Nachmittags nach Hause kommt, sagt sie, dann nehme ich mir ein Buch, mache mir eine Tasse Tee und ruhe mich erstmal aus.

Das Gespräch mit Frau Schulz zeigt mir: Die alte Schöpfungsgeschichte ist immer noch gültig. Gott ruht nach getaner Arbeit und unterscheidet so den siebten Tag von den anderen Tagen. Das grundsätzliche Anliegen bleibt: Es braucht einen Rhythmus zwischen Arbeiten und Ruhen, auch wenn die Arbeitszeiten flexibel sind.

Aber was heißt das: Du sollst den Feiertag heiligen, wenn der Rhythmus zwischen den Wochentagen und dem Sonntag nicht mehr da ist? Wenn Menschen gar nicht mehr in dem Rhythmus leben? Gott ruhte am siebten Tag: Dies ist der Einspruch gegen das Immer-Eingespannt-Sein. Es braucht einen Unterschied zwischen Arbeiten und Ruhen. Klar, es gibt Berufe, die braucht man auch sonntags. Im Krankenhaus, in der Pflege. Aber nicht jede Dienstleistung muss sonntags zur Verfügung stehen. Ich finde es wichtig, dass die Kirchen sich nach wie vor für einen gemeinsamen Ruhetag, einsetzen: den Sonntag. Einen Sonntag gemeinsam zu verbringen, mit der Familie oder mit Freundinnen und Freunden, ist anders, als seine Ruhezeiten immer dann nehmen zu müssen, wenn die anderen arbeiten. Der Sonntag unterbricht die Arbeitswoche. Damit Menschen zusammen kommen können, ist es wichtig, dass es vielen Menschen zur gleichen Zeit möglich ist, zur Ruhe zu kommen und ihren Alltag zu unterbrechen.

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