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Der Klügere gibt nach!
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Der Klügere gibt nach!

Daniel Stehling
Ein Beitrag von

Daniel Stehling,

Pastoralreferent und Katholischer Religionslehrer, Fulda
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"Der Klügere gibt nach", sagt das Sprichwort. Und wie ich das als Kind gehasst habe. Da versuche ich gerade mal, mich gegen meine ältere Schwester durchzusetzen oder in der Schule mein Recht zu behaupten, und dann kommt von den Eltern oder den Lehrern: "Hört auf! Der Klügere gibt nach!" In diesen Fällen wollte ich ganz oft gar nicht klug und schon gar nicht der Klügere sein. Denn Abstriche machen, dem anderen entgegenkommen und einen Kompromiss schließen, fühlt sich doch wie eine Niederlage an, dachte ich früher. Und wer will schon gerne verlieren. Ich jedenfalls wollte es nicht!

Heute, viele Jahre später sehe ich das anders. Das Wort Kompromiss kommt aus dem Lateinischen von "compromittere", was so viel heißt wie: übereinkommen, die Entscheidung einem Schiedsrichter zu überlassen. Kompromisse schließen ist für mich deshalb nicht nur klug, sondern auch ehrenhaft. Kompromisse ermöglichen das gute und friedliche Zusammenleben der Menschen und das auf allen Ebenen. Ob bei Meinungsverschiedenheiten am Gartenzaun mit den Nachbarn oder in der weltweiten Politik. Kompromisse gestalten unser Zusammenleben. Für mich als Theologe haben Kompromisse aber auch noch eine religiöse Bedeutung. Durch gute Kompromisse kommt das Gemeinsame zum Ausdruck. Die unsagbar große Würde eines jeden Menschen, die wir von Gott, unserem Schöpfer haben. Er hat uns als seine Ebenbilder geschaffen. Ihm an Würde gleich.

In meinem Glauben ist der Schiedsrichter, dem ich so manche Entscheidung überlasse, der gerechte und liebende Gott, der Vater Jesu Christi. Das Vertrauen auf Gott macht es mir heute leichter, auf eigene Siege zu verzichten und Kompromisse einzugehen. Mit dieser Erkenntnis bin ich gern der Klügere und gebe nach!

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