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Aufheben oder weggeben
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Aufheben oder weggeben

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel

Meine Tante Hilde spendet. Und zwar gerne und fröhlich. Wie viele Menschen über siebzig, lese ich (n.tv 1.3.2018).  Sonst aber spenden weniger, eine Million Menschen weniger im vorigen Jahr. Vor allem jüngere Menschen geben nicht mehr so gerne. Sie haben Angst vor Altersarmut, heißt es. Wer zwischen zwanzig und fünfzig Jahre alt ist, legt Geld lieber beiseite, als es wegzugeben. Verblüffend aber ist, dass das Geld insgesamt nicht weniger wird. Es spenden weniger Menschen, aber die Gesamtsumme bleibt in Deutschland jedes Jahr gleich: Fünf Milliarden Euro.
Das liegt an Tante Hilde. Und vielen andere über siebzig. Sie haben weniger Angst, sagt man. Und spenden mehr als früher. Tante Hilde zum Beispiel. Sie will nur ein schmales Sparbuch, sagt sie. Es gibt sowieso keine Zinsen. Wenn ihr bisschen Rente erhöht wird, erhöht sie auch die Spenden. Sie geht selten aus, kauft kaum Kleider, fährt nie Auto. Sie hat’s lieber gemütlich beim hr-fernsehen. Manchmal den Tatort. Und „Bilderbogen“, den liebt sie. Da sieht sie Menschen wie sie. Und erlebt Leben, das sie so nicht mehr hat. Viel Arbeit und viel Natur. Tante Hilde lebt in der Stadt, ohne Garten. Der fehlt ihr. Bleibt der Supermarkt. Und der Bettler davor. Den kennt sie und gibt ihm was. Aber auch an Brot für die Welt, regelmäßig. Vor allem in der Fastenzeit. Da fastet sie auch. Kein Süßes. Das fällt ihr schwer. Leichter fällt ihr, auch das Geld noch wegzugeben. Ich habe genug, sagt sie. Gott meint es doch gut mit mir. Ich will es auch gut meinen – mit anderen.

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