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Bonifatius - Unbekannte Wege wagen
Bildquelle Pixabay

Bonifatius - Unbekannte Wege wagen

Alexander Matschak
Ein Beitrag von

Alexander Matschak,

Medienkoordinator des Bistums Mainz

Vor ein paar Wochen bin ich im Kloster Engelthal in der Wetterau gewesen. Rechts neben dem Eingang zum Klostergelände hing ein kleines, quadratisches Schild. Es zeigt einen Bischofsstab auf rot-weißem Grund. „Das Schild kenne ich doch“, habe ich gedacht. Und nach einigem Überlegen ist es mir wieder eingefallen: Das ist ja das Hinweisschild für die Bonifatiusroute! Die Bonifatiusroute: Das ist ein Pilger- und Wanderweg. Er führt von Mainz nach Fulda, ist rund 180 Kilometer lang. Der Weg erinnert an eine feierliche Prozession: Denn auf diesem Weg sind im Jahr 754 die Gebeine des verstorbenen Bonifatius von seinem Bischofssitz Mainz nach Fulda gebracht worden sein. Sein Grab ist im Fuldaer Dom. Heute, am 5. Juni, ist sein Todestag.

Es ist schon seltsam: Da ist ein Mensch über 1200 Jahre tot. Aber sein Wirken ist noch immer präsent – selbst über einen so langen Zeitraum. Das liegt wohl daran: Bonifatius muss ein beeindruckender Mensch gewesen. Ein Mensch voller Energie, Überzeugungskraft und Charisma. Unerschrocken vor den Gefahren, die auf ihn warten. Denn als 40-jähriger verlässt der Benediktinermönch im Jahr 719 seine Heimat England. Er will auf dem Kontinent den christlichen Glauben predigen und geht im Auftrag des Papstes ins Frankenreich. Vor allem in die Gegend des heutigen Hessens und Thüringens.

Das war damals eine waghalsige Sache. Denn es gab hier keine Straßen und keine Steinhäuser, Bücher waren unbekannt. Trotzdem haben die Menschen Bonifatius und seiner Botschaft zugehört. Aber er belässt es nicht beim Predigen und Missionieren: Bonifatius strukturiert die bestehenden deutschen Bistümer um, gründet zahlreiche neue Bistümer, dazu Klöster und Kirchen. Ich finde: Das war eine große zivilisatorische Leistung. Hätte es Bonifatius nicht gegeben, wäre die Kirche in Deutschland wahrscheinlich nicht so wie sie heute ist. Deshalb nennt man ihn ja auch den Apostel der Deutschen. Am Ende stirbt er für seinen Glauben: Im hohen Alter von 80 Jahren wird er auf einer Missionsreise in der Nähe von Dokkum erschlagen.

Mir fällt auf: Bonifatius war etwa in meinem Alter, als er seine Heimat verlassen hat. Mit über 40 hat er noch mal von vorne angefangen: Er hat seine gewohnten Gleise verlassen, um etwas ganz Neues in seinem Leben zu wagen. Hat dafür alles hinter sich gelassen. Das verlangt Mut und Vertrauen. Mich fasziniert dieser Mut. Und mich fasziniert auch sein Mut, vor anderen Menschen über seinen Glauben zu sprechen. Und für seinen Glauben einzustehen – trotz Gefahr und Bedrohung. Der heilige Bonifatius: Er ist für mich ein Beispiel, mich auf neue Wege zu begeben. Und dabei ganz auf den Beistand Gottes zu vertrauen. Mit ihm kann ich Neues wagen – immer wieder und in jedem Alter.

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