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Vom Plastikmüll
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Vom Plastikmüll

Charlotte von Winterfeld
Ein Beitrag von

Charlotte von Winterfeld,

Evangelische Pfarrerin, Frankfurt

Dieses Jahr gibt’s keine kleinen Weihnachtsgeschenke für die Kinder der Kinderkirche. Das hat unser Team gerade beschlossen. Schlüsselanhänger, Lineale, Brotboxen, Kugelschreiber – egal, was uns einfällt, alles enthält Plastik und landet am Ende oft im Müll. Zu dem Entschluss haben uns Christiane und Klara vom Team der Kinderkirche gebracht. Gerade sitzen wir zusammen und planen, was wir beim nächsten Mal mit den Kindern machen wollen. Jetzt im Dezember, ganz klar, da wird gebacken: Vanillekipferl, Butterplätzchen, SchokoCrossies und vieles mehr.

Christiane und Klara sind befreundet und waren zusammen an der Nordsee. Christiane erzählt: „Es war ja ganz schön, der Wind, der Strand, das Meer … Aber eines hat uns richtig erschreckt: der ganze Plastikmüll, der da angeschwemmt wird. Es ist unglaublich, wieviel Müll wir Menschen produzieren.“ Die beiden Freundinnen haben sich informiert: Plastiktüten, Getränkeflaschen, Fischernetze – etwa 30 Millionen Tonnen Plastikmüll treiben durch die Weltmeere und führen zum Tod vieler Tiere. Die Zahlen sind gravierend: Hunderttausende Delphine, Wale, Robben, Schildkröten und sogar Eisbären fallen dem Plastikmüll zum Opfer; die Zahl der verendeten Seevögel geht in die Millionen. Und natürlich können diese Schadstoffe auch in den menschlichen Organismus gelangen.

Plastik ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Plastikabfall entsteht auch dort, wo wir ihn nicht vermuten: Kosmetikhersteller zum Beispiel verstärken die Reinigungswirkung von Zahnpasta oder Duschgel mit fein gemahlenem Plastik. Christiane und Klara haben eine Entscheidung getroffen: Sie versuchen, ab jetzt in ihrem Alltag möglichst wenig Plastik zu verwenden. Sie gehen auf dem Markt einkaufen und bringen selbst Taschen und Boxen mit. Klara hat Taschen dafür genäht, aus alten Plastiktischdecken. Und jetzt haben die Freundinnen sogar zum ersten Mal ihre eigene Seife hergestellt, ganz biologisch. Beide möchten zu Weihnachten nichts mehr verschenken, was mit Plastik zu tun hat.
Klingt anstrengend: ein Alltag ohne Plastik.

Und eine Welt ohne Plastik wird es wohl nie mehr geben – es gibt einfach schon jetzt zu viel davon. Aber jeder bewusste Schritt zu weniger Plastik ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aus Verantwortung für unsere Erde. Gerade in der Weihnachtszeit. Also keine Weihnachtsgeschenke aus Plastik für die Kinder der Kinderkirche. Lieber gibt es ein paar Plätzchen mehr. Christiane und Klara vom Team der Kinderkirche haben uns die Augen geöffnet. Die beiden sind für mich Prophetinnen im Alltag geworden, also Menschen, die mir zeigen, wie ich anders leben sollte – und kann.

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