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hr4 Ostermontags-Gottesdienst aus Friedberg

hr4 Ostermontags-Gottesdienst aus Friedberg

Stefan Wanske
Ein Beitrag von

Stefan Wanske,

Katholischer Pfarrer und Dekan, Friedberg
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hr4 Feiertagsgottesdienst an Ostermontag, 05. April 2021, 10:05 bis 11.00 Uhr

aus der Heilig-Geist-Kirche in Friedberg

 

Hier geht's von 10.05 bis 11.00 Uhr am Ostermontag zum hr4 Livestream.

 

Den Gottesdienst zum Nachhören gibt es nach Ausstrahlung hier oben auf dieser Seite und auf hr4.de.

 

Dekan Stefan Wanske und Gemeindereferentin Juliane Weitzel können Sie nach dem Gottesdienst bis 12.30 Uhr erreichen unter 06031 / 61041. Informationen zu den Mitwirkenden und zur Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Friedberg finden Sie hier.

 

Liturgie und Predigt: Dekan Stefan Wanske

 

Begrüßung: Gemeindereferentin Juliane Weitzel

Lektorin / Lektor: Ute Münster und Markus Aulbach

 

Musikalische Mitwirkende:

 

Sopran: Karola Bausum
Alt: Regine Müller-Laupert
Tenor: Christoph Leonhardt

Bass: Michael Albert

 

Violine I: Joachim Etzel
Violine II: Ilse Etzel

Viola: Gertrud Etzel-Kreuzkamp
Cello: Bertram Minor  

Orgel / E-Piano:  Regionalkantorin Eva-Maria Anton

 

Kirchliche Redaktion: Beate Hirt, Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr                                                                

 

Predigt:

 

Liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Gemeinde!

 

Zu Ostern gehört das Oster-Halleluja. Zu Ostern gehören die überschwänglichen Lieder der Freude und Hoffnung! Und doch gibt es dunkle Tage und Zeiten, da kann man sich fragen: Wie passt das zusammen: die Freude und die Traurigkeit? Schließlich gibt es dunkle Zeiten, in denen fällt uns der Jubel schwer, Zeiten von Katastrophen und Krisen. Da ist mir mehr zum Klagen als zum Jubeln zumute, da fällt jeder Schritt schwer, den ich gehen soll.

Wenn dann noch jemand sagt „Da musst du halt durch, das Leben geht weiter“, oder so was Ähnliches, dann macht das die Sache nicht besser.  Das klingt dann nach platten, billigen Allerweltsweisheiten.

Anders ist das, wenn jemand einfach da ist, wenn es mir schlecht geht. Der braucht noch nicht mal viel zu reden. Es genügt oft schon, wenn jemand mit wenigen Worten und Zeichen „den richtigen Ton trifft“.

Für mich sind wir damit ganz nahe an dieser Geschichte aus dem Lukas-Evangelium. Wie wir heute, so haben die beiden Freunde von Jesus, die da auf dem Weg nach Emmaus sind, damals eine Krise erlebt. Sie sind enttäuscht über den Tod Jesu und finden sich mit all ihren Hoffnungen und Perspektiven plötzlich in einem tiefen Loch wieder.

Ich glaube, jede und jeder von uns kann sich nach einem Jahr in einer weltweiten Pandemie, die unseren ganzen Alltag so umgekrempelt hat, gut vorstellen, wie es den Jüngern damals ging. Wie oft höre ich von Leuten inzwischen: „Corona ist echt entsetzlich anstrengend! Du kannst Dir nicht vorstellen, wie sehr ich die normalen Begegnungen vermisse! Ich sehn mich nach Umarmungen! Und nach Gesichtern ohne Masken. Für Home-Office und Home-Schooling hab ich echt keinen Nerv mehr!“ Also, ich gebe ehrlich zu: Mir geht es damit manchmal genauso wie den beiden Jüngern auf dem Weg nach Emmaus in ihrer Krise. Die sind blind für das, was vor ihren Augen passiert. In der Bibel heißt es wörtlich: „Ihre Augen waren gehalten.“ Das heißt, die kriegen gar nicht mit: Jesus ist ja längst da! Und er begleitet sie schon die ganze Zeit auf ihrem steinigen, langen Weg nach Emmaus.

Mir geht’s im Alltag manchmal genauso, als ob mir jemand die Augen zuhält: Ich sehe dann nur die Arbeit und die Aufgaben, was ich alles zu erledigen habe und was gerade alles nicht geht oder was jetzt so völlig anders laufen muss, als ich es mir idealerweise wünsche, so anders als ich es kenne. Dann kommen auch meine Sorgen und Ängste, dass ich das alles nicht mehr schaffe. Da fehlt mir der Blick für Gott, der noch immer für mich da ist, der mich in allem trägt; mir fehlt der Blick auf Jesus, der mich begleitet und mir den Weg in die Zukunft weist.

Den Jüngern von Emmaus war auf ihrem Weg nicht nach Singen und Osterjubel zumute. Aber dann ist da jemand, der mitgeht und zuhört, der ihre Krise ernstnimmt und nicht weiterläuft, der dabeibleibt und sie schrittweise durch echte Begegnung verwandelt. Ganz am Schluss öffnet er ihnen die Augen, und sie erkennen ihn beim Brotbrechen: „Es ist der Herr. Er lebt wirklich!“

Und dann ist bei beiden so viel Osterstimmung angesagt, dass sie sogar noch Kraft finden, mitten in der Nacht den langen Weg durch die Dunkelheit zurückzulaufen, um den anderen davon zu erzählen: Diese Erfahrung können sie nicht für sich behalten, sondern die müssen sie weitererzählen!

Wenn ich auf mein „Krisenjahr“ seit dem letzten Ostern zurückschaue, dann scheint mir manches im Rückblick auch nachdenkenswert: Ein zuvor prall gefüllter Terminkalender hat sich merklich gelichtet, ohne dass ich das Gefühl habe, weniger zu arbeiten, unterfordert oder schlechter informiert zu sein.

Menschen entdecken plötzlich Spaziergänge und die Natur für sich, die in sogenannten „normalen Zeiten“ oft kaum noch vor die Tür gekommen sind. Andere haben inzwischen richtig Spaß daran, daheim gemeinsam zu kochen. Vor „Corona“ wurde da nur unterwegs was vom Imbiss aus der Faust gegessen und im Laufschritt das Programm weiter abgearbeitet.

Viele sind ins Nachdenken gekommen: Was ist eigentlich wirklich wichtig in meinem Leben? Und worauf hätte ich vielleicht auch schon in den letzten Jahren und Jahrzehnten mehr Wert legen sollen?

Vor dem Hintergrund meines „Krisenjahres“ merke ich: Das wichtigste ist Begegnung! Und ich glaube, davon erzählt die Emmausgeschichte: Begegnung bedeutet, gemeinsam im Alltag auf dem Weg sein. Beschwingt und voller Tatendrang oder auch einmal auf mühsamen Etappen lustlos und müde.

Begegnung bedeutet, miteinander zu reden über das, was ich erlebe, und mir dabei bewusst zu sein: In jedem Menschen, der mit mir unterwegs ist, und den ich treffe, kann Gott mir über den Weg laufen.

Begegnung bedeutet, miteinander zu reden: „Was trägt dich eigentlich in der Enttäuschung?“

Wenn Menschen einander so begegnen, dann nennt das Evangelium das wörtlich: „Sich gegenseitig den Sinn der Heiligen Schrift zu erschließen“. Und das heißt auch: Unterwegs, gerade in Zeiten der Krise, da kann ich auch Gott in mein Leben und zum Mitgehen einladen. „Bleib doch bei uns, Herr, denn es will Abend werden.“

Er, der uns seine Begleitung anbietet, ist auch jetzt bei uns, wo auch immer wir sind: zuhause oder unterwegs. Auf ihn dürfen wir auch dann noch hoffen, wenn wir meinen, dass es nicht mehr weitergeht: Wie die Jünger auf dem Weg nach Emmaus sind wir noch inmitten von Zwielicht und Schatten unterwegs. Aber wir dürfen wissen: Da ist jemand, der mit uns geht. Auf seine Nähe dürfen wir uns einlassen, dürfen neu sehen lernen und für andere dann Botinnen und Boten der österlichen Freude werden.

Musik:

Eröffnungslied: GL 328 „Gelobt sei Gott im höchsten Thron“ / Satz: Henry G. Ley

Kyrie: aus der "Missa Princeps Pacis" von William Lloyd Webber
Gloria: aus der "Missa Princeps Pacis" von William Lloyd Webber
Antwortgesang: GL 657,3 "Dein Erbarmen, o Herr, will ich in Ewigkeit preisen" plus Verse

Halleluja und Halleluja-Coda: GL 175,2 und Halleluja von W.A. Mozart (aus seiner Pfingstmotette Veni, veni Sancte Spiritus)

Musik zur Gabenbereitung: GL 325 "Bleibe bei uns, du Wandrer durch die Zeit"

Sanctus: aus der "Missa Princeps Pacis" von William Lloyd Webber

Agnus Dei: aus der "Missa Princeps Pacis" von William Lloyd Webber

Musik zur Kommunion: Andante aus dem Streichquartett in D-Dur, KV 155, von W.A. Mozart

Danklied: GL 875 „Herr, du bist die Hoffnung“
Orgelmusik zum Schluss: "Fanfare" von Nicolas Jacques Lemmens

 

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