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Nicht sofort aufgeben
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Nicht sofort aufgeben

Martin Vorländer
Ein Beitrag von

Martin Vorländer,

Evangelischer Pfarrer und Theologischer Redakteur im Medienhaus Frankfurt

Das wichtigste Gerät im Garten ist die Schere. Das musste ich erst einmal lernen. Am Anfang hatte ich Scheu, die unteren Triebe an einem Rosenstock zu stutzen, damit die oberen Blätter kräftiger wachsen. Und ich musste mich erst einmal überwinden, manche Pflanzen ganz rauszureißen. Es muss aber sein, wenn der Garten nicht völlig verwildern soll.

Über das Rausreißen erzählt Jesus einmal ein Gleichnis (Lukas 13,6-9). Ein Weinbergbesitzer ärgert sich über einen Feigenbaum. Der bringt schon seit drei Jahren keine Früchte mehr. Der Weinbergbesitzer befiehlt seinem Gärtner: „Hau ihn ab!“ Die Worte schlagen ein wie eine Axt: „Hau ihn ab!“ Wer nicht liefert, was man von ihm erwartet, wird umgehauen.

Aber der Gärtner in der Geschichte ist geduldiger als sein Herr. Er bittet den Weinbergbesitzer: „Herr, lass ihn noch dieses Jahr! Ich will ihn umgraben und düngen. Vielleicht bringt er doch noch Frucht.“ Noch dieses Jahr. Eine Gnadenfrist. Aber auch ein Quantum Hoffnung. Weil da einer ist, der nicht nur erwartet, dass man liefert. Er gräbt um und düngt. Er kümmert sich. Er weiß: Auch wo nichts ist, kann etwas werden. Für Jesus ist dieser Gärtner ein Bild für Gott.

Ich brauche diesen Gärtnergott. Der die Geduld mit mir nicht verliert und mich nicht umhaut, auch wenn die Früchte meines Lebens bescheiden aussehen. Der an mich glaubt und weiß: Auch ein Zweig, der im Winter wie tot aussieht, kann im Frühling neu austreiben und wieder Blüten und Früchte tragen.

 

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