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Murmeltier-Tag
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Murmeltier-Tag

Daniel Lenski
Ein Beitrag von

Daniel Lenski,

Evangelischer Pfarrer, Königstein-Falkenstein
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Jedes Jahr Anfang Februar wird in den USA und in Kanada der „Murmeltiertag“ groß gefeiert. Dabei geht es um eine Art Wetter-Orakel: Wenn die Sonne scheint und das Murmeltier seinen eigenen Schatten sieht, krabbelt es wieder zurück in den Bau und schläft nochmal sechs Wochen. Die Menschen gehen dann davon aus, dass der Winter anhält. Aber wenn der Himmel bedeckt ist, sieht das Murmeltier keinen Schatten und bleibt draußen. Das ist das Zeichen dafür, dass der Frühling bald beginnt. Diese tierische Wettervorhersage trifft zwar statistisch nur in jedem dritten Jahr ein. Aber trotzdem ist das Spektakel um den Nager in Nordamerika Anlass für ein populäres Volksfest. Mit Hotdogs, Zuckerwatte und Kuscheltieren in Murmeltierform. Die Menschen genießen es einfach, im kalten Februar zusammenzukommen und gemeinsam zu feiern. Damit bringen sie ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass die Zeiten bald besser werden: Heller, freundlicher, wärmer.

Im Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ wird die Tradition des Murmeltiertags aufgegriffen. Der Reporter Phil Conners hört jeden Morgen denselben Song im Radiowecker: Wie in einem Albtraum erlebt er nämlich den gleichen Tag immer wieder von neuem: Er wacht zum gleichen Lied im Radio auf, ärgert sich über seine Kollegen und muss als Reporter immer wieder darüber berichten, ob das Murmeltier in diesem Jahr seinen Schatten sehen wird. In dem Film geht es letztlich um die Sehnsucht, einmal seinem Alltag zu entfliehen. Die eingeübte Routine hinter sich zu lassen und von neuem zu träumen.

Gerade im Februar verspüre ich diese Sehnsucht, einmal auszubrechen – da können die Tage bleiern sein. Das kann manchmal ganz schön runterziehen. Der Murmeltiertag dreht die Sache um: Nicht die Sonne, sondern ein bedeckter Himmel ist das Zeichen: Der Frühling kommt! Das ist der Clou. Trotz des grauen Himmels habe ich die Hoffnung, dass der Frühling nahe ist. Das lässt mich Anfang Februar vom Licht träumen. Es lohnt sich also, auch im Grau des Alltags von der Sonne zu träumen. Auch was zunächst negativ erscheint, kann mit Positivem überraschen. Das verändert meine Lebenshaltung – auch bei den großen Themen des Lebens. Wie im Film: Da wird der Reporter Phil von dem Fluch der ständigen Wiederholungen erst befreit, als es ihm gelingt, eine neue Perspektive auf sein Leben einzunehmen. Er entdeckt, dass sich seine Gedanken bisher sehr um ihn selbst gedreht haben. Als er beginnt, seine Zeit und seine Kräfte für andere einzusetzen, zieht ein neuer Sinn in seinem Leben ein. Er lernt neue Menschen kennen und kann sich am Ende sogar vorstellen, freiwillig in dem kleinen Murmeltierort zu leben.

Mich motiviert dieser nordamerikanische Brauch, einen Blick in die Zukunft zu wagen und mich auch nicht von grauen Wolken abschrecken zu lassen. Im Gegenteil: Mir gefällt die Idee, dem ungemütlichen Februar mit einem Fest der Hoffnung zu begegnen. Auf was freue ich mich eigentlich in dem kommenden Frühling am meisten? Wollte ich mich nicht längst wieder einmal mit einem alten Freund treffen? Wie kann ich etwas Abwechslung in meinen Alltag bringen? Ich merke: Es wird Zeit, endlich wieder meinen eigenen Bau zu verlassen – um die Sonnenstrahlen einzufangen oder mit Freude von einer Pfütze zur nächsten zu springen. 

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