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Kraft schöpfen trotz Schicksal
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Kraft schöpfen trotz Schicksal

Prof. Dr. Gerhard Stanke
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Prof. Dr. Gerhard Stanke,

Domkapitular
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„Rolle vorwärts“ – so lautete die Überschrift zu einem Vortrag, den Samuel Koch am 20.06. in Fulda gehalten hat. Samuel Koch war in der Sendung „Wetten, dass…“ schwer verunglückt. Er hatte gewettet, dass er 5 langsam fahrende Autos hintereinander mit kräftig federnden Stelzen überspringen könne. Bei dem Versuch, jenes Auto zu überspringen, das sein Vater steuerte, stürzte er. Zum Schrecken für die Verantwortlichen und die vielen Zuschauer im Studio und an den Bildschirmen. Samuel Kochs Leben hing am seidenen Faden. Er hat überlebt, ist aber seitdem querschnittsgelähmt.

Für seinen Vortrag wurde der junge Schauspieler im Rollstuhl auf die Bühne getragen und dann in einen Sessel gesetzt. Dann las er Texte aus seinen Büchern vor. Zu den einzelnen Abschnitten gab er jeweils eine kurze Einführung. Zwischendurch bot er den Zuhörern auch Gelegenheit, Fragen zu stellen. Mich hat sein Auftreten tief beeindruckt. Die Krankheit hat ihn nicht verbittert, nicht depressiv und auch nicht zynisch gemacht. Was mich auch sehr berührte war, dass er seinen Glauben an Gott nicht verlor. Er wurde von einer Zuhörerin danach gefragt. Und er hat dann geantwortet, dass er an Gott glaubt, auch wenn der seinen Sturz nicht verhindert und ihn auch nicht durch ein Wunder geheilt hat.

In seinen Büchern schreibt Samuel Koch, dass er sehr intensiv mit Gott gerungen hat und im Gebet die Kraft gefunden habe, nicht aufzugeben.Oft fragen Menschen: Wie kann man angesichts des schrecklichen Leids in der Welt noch an einen guten Gott glauben? Diese Frage bedrängt auch mich oft. Was mir dabei hilft, ist die Tatsache, dass Menschen, die Schreckliches erfahren mussten, weiterhin an Gott glauben. Samuel Koch beantwortete die Frage nach seinem Glauben mit bescheiden zurückhaltender Stimme erstaunlich positiv! Und noch eine Passage aus seinem Vortrag hat mich besonders angesprochen. Er sprach von der Dankbarkeit. In einem seiner Bücher schreibt er dazu: „Manchmal fragte ich mich: Wo ist Gott eigentlich? Er lässt zu, dass ich in einer solchen Situation stecke, er hat anscheinend im Moment nicht vor, etwas daran zu ändern, und dann sagt er noch nicht einmal was?! Gibt es ihn überhaupt? Oder muss ich vielleicht genauer hinsehen, um Gott zu entdecken?“

Samuel Koch zitiert dann einen Satz aus dem Lukasevangelium „ Wer sucht, der findet, wer anklopft, dem wird aufgetan“ ( Lukas 11,10) und fährt fort: „Mit der Zeit habe ich angefangen zu sehen, dass mir in meiner miesen Lage auch viel Gutes widerfuhr: das Zwerchfell, das mich überraschend selbstständig atmen ließ, meine kinderliedersingende Mama, mein abgeklärter, liebevoller Papa; Chris und andere Freunde, die mir zur Seite standen, mein Direktor, der mir die Immatrikulation für die nächsten zwei Jahre zusicherte, ganze Schulklassen, die für mich sangen, mein klavierspielender Bruder, der Orthopäde und viele Pfleger und Schwestern, die sich als Christen outeten und mit ihren Familien für mich beteten, das herrliche Wetter, eine Kopfmassage, die Massen von alten, neuen, wiedergewonnen, unbekannten Freuden und so weiter. Die Liste ist beinah endlos weiterzuführen. Und er schreibt weiter „Die Länge dieser Dankbarkeitsliste hat mich überrascht und es half mir immer wieder, mir all das vor Augen zu halten, auch wenn ich mich oft erst dazu motivieren musste.“ (Zwei Leben S. 156) Dass Samuel Koch in seiner Krankheit den Glauben an Gott nicht verloren hat und dabei auch immer wieder nach Gründen gesucht hat, dankbar zu sein, hat mich tief beeindruckt.

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