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Eine Zeit für Helden?
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Eine Zeit für Helden?

Dr. Peter-Felix Ruelius
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Dr. Peter-Felix Ruelius,

Leiter ZB Christliche Unternehmenskultur & Ethik bei der BBT-Gruppe, Koblenz
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53 Menschen verdanken ihr das Leben. Die deutsche Kapitänin Carola Rackete hat sie in einer aufsehenerregenden Aktion sicher an Land gebracht. Rettung in der Not: Die hatte für sie Vorrang vor dem Verbot der italienischen Behörden, einen italienischen Hafen anzufahren.
Eine Heldin? Darüber wurde lebhaft gestritten. Fest steht. Hier hat jemand an einem bestimmten Punkt eine Entscheidung getroffen. Für Menschen, gegen Vorschriften und Regeln. Und mit einem gehörigen Risiko.
Gehört zum Heldentum das Risiko? Das Große und Spektakuläre? Der amerikanische Sozialpsychologe Philip Zimbardo sagt: Nein. Etwa zur gleichen Zeit als Carola Rackete mit ihrem Schiff unterwegs ist, um auf dem Mittelmeer Menschen zu retten, wirbt Zimbardo in Europa für sein „Heroic Imagination Project“. Seine These: Man kann Heldentum trainieren. Das Heldentum, das dann dabei herauskommt, ist nicht spektakulär. Es ist alltäglich. Genau das will Zimbardo erreichen.
Zimbardo weiß, wovon er spricht. Der einflussreiche Psychologe war vor fast fünfzig Jahren Urheber des Stanford Prison-Experiments. In einer simulierten Gefängnissituation sollte untersucht werden, wie sich Menschen verhalten, die eine Rolle als Wärter oder Gefangene zugewiesen bekommen. Der Verlauf des Experiments nahm eine solche Dynamik an, dass es abgebrochen werden musste. Überaus schnell waren aus unauffälligen Menschen sadistische Wärter geworden.
Die Überzeugung von Zimbardo heute: Nicht nur das Böse, sondern auch die Bereitschaft, für andere zu handeln, ist in jedem vorhanden. Sie kommt zum Vorschein, wenn man es gelernt hat, auch gegen die Überzeugung der Menge für einen anderen etwas zu tun. Wenn man den winzigen Moment entdeckt und nutzt, in dem ein innerer Impuls den Blick auf den Mitmenschen richtet und sagt: Fang an, etwas für ihn zu tun.
Wir sind, so sagt Zimbardo, allesamt Helden in Lauerstellung. Wenn ein Moment da ist, in dem jemand meine Hilfe braucht oder wenn es dran ist, dass ich einschreite, wenn ich Unrecht sehe, dann bin ich zum Guten in der Lage. Ein Heldentum in alltäglichen Maßstäben, aber kein nutzloses.
Held in Lauerstellung: Das ist ein ganz schönes Bild für das, was in jedem Menschen steckt. Es spornt mich an, aufmerksam zu sein für die Welt um mich herum und die vielen Gelegenheiten, sie etwas besser zu machen.

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