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Die Macht der guten Worte
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Die Macht der guten Worte

Ute Zöllner
Ein Beitrag von

Ute Zöllner,

Evangelische Pfarrerin i.R., Pastoralpsychologin, Kassel
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Gute Worte machen lebendig. Gute Worte machen Mut: „Fürchte dich nicht. Ich bin mit dir.“ Sie stärken mich an Leib und Seele: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Dieses gute Wort tut mit gut. Es stärkt mich, dass Gott mich kennt.

Leider ist es nicht immer einfach, freundliche Worte zu hören und selber zu finden. Das erlebe ich tagtäglich. Wenn ich mich wieder einmal wundere, wie heftig in der Öffentlichkeit über andere Menschen öffentlich hergezogen wird. Da werden Schimpfworte benutzt, die aus der Gossensprache sind. Schlimm sind die Worte, aber noch schlimmer ist ihre Wirkung. Sie treffen den, der angesprochen ist, sie beschämen und verletzen. Vertrauen zueinander ist auf diese Weise schnell verspielt. Verlorenes Vertrauen wieder aufzubauen, das kann lange dauern. Auf ein böses Wort müssen mindestens sieben gute Worte folgen, sagt man zu Recht.

Carola und Hannes erleben das am eigenen Leib. Das Paar hat sich getrennt. Nun kämpfen die beiden um jede Minute, die sie mit den Kindern zusammen verbringen können. Sie haben eine Regelung gefunden, wann und bei wem die Kinder leben. Aber die beiden schaffen es einfach nicht, sich auch an diese Regelung zu halten. Stattdessen streiten sie bis aufs Messer. Ein giftiges Wort gibt das andere. Ihre Gespräche enden mit Beschimpfungen. Den Kindern geht es schlecht.

Auch aus unserem Mund kommen Worte, mit denen wir anderen wehtun und sie kränken. Oft genug geschieht das, weil wir nicht mehr weiter wissen und meinen, mit dem Rücken an der Wand zu stehen. So wie Hannes, der die Trennung nicht wollte. Er hat das Gefühl, dass ihm die Kinder immer fremder werden.

Wenn der Streit aus dem Ruder läuft, dann muss zuerst die Spirale der Gewalt unterbrochen werden. Die Einsicht muss wachsen, dass die Kinder im Mittelpunkt stehen. Es geht um sie. Es geht um ihr Wohl.

Heilende Worte und verletzende Worte – wir hören beides. Wir benutzen beides. Das versuche ich mir immer wieder klar zu machen, wenn ich mich wundere, wie wir miteinander reden. Das hilft nicht mit dem Finger auf den Nächsten zu zeigen und die Schuld beim anderen zu suchen.

Ich selber habe die Verantwortung für die Worte, die ich benutze. Gut, wenn ich mich daran erinnere. Meine Worte kommen aus meinem Herzen und meinem Mund. Ich kann heilsame Worte weitersagen, die mich selber tragen und stärken: „Fürchte dich nicht, ich bin mit dir.“ Aus dieser Zusage entstehen neue, ermutigende Worte. Ich kann sie für mich hören. Ich kann sie an jeden weitergeben, der neben mir steht und mit mir geht.

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