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Der geschenkte Tag
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Der geschenkte Tag

Ein Beitrag von Dieter Dersch, Evangelischer Pfarrer, Kassel

Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Manchmal höre ich diesen Satz. Ich habe ihn auch selbst schon das ein oder andere Mal gesagt. Dahinter steckt die Aussage, nicht zu schnell guter Dinge zu sein. Sei vorsichtig! Es kann sich noch alles ändern. Freu dich nicht zu früh!

Manchmal ist es in der Tat klug, nichts zu überstürzen und stattdessen behutsam vorzugehen. Lieber erst einmal abwarten, statt auf halber Strecke die Kontrolle aufzugeben.

Und trotzdem stört mich etwas an der Weisheit. Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Oft entsteht da eine Skepsis, die meine Lebenshaltung beeinflusst. Ich werde misstrauisch und kann selbst Gutes und Gelungenes nicht wertschätzen, weil ja noch das böse Ende kommen könnte. Hinter jeder Ecke vermute ich jemanden, der mir einen Strich durch die Rechnung macht. Schlimmstenfalls vermute ich überall Gegner oder gar Feinde. Das ist anstrengend und verändert meinen Blick auf andere – auch auf die, die es doch nur gut mit mir meinen.

Wer anderen immer nur skeptisch, misstrauisch und distanziert begegnet, bekommt das auch bald von anderen zu spüren Warum sollte man auch jemanden vertrauen, der einem selbst nicht vertraut? Warum sollte ich jemandem Nähe zeigen, der sich von mir distanziert? So kann das zur Realität werden, was ich befürchte und einiges bleibt unnötigerweise auf der Strecke. Das gute Miteinander hat keine Chance mehr.

Ein Satz aus der Bibel zeigt eine andere Lebenshaltung: Die lautet so: Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein! (Psalm 118 Vers 24)

Das klingt positiv. Solche Worte helfen, den Tag mit all seinen Herausforderungen erst einmal als Geschenk zu betrachten. Da ist ein neuer Tag mit vielen Möglichkeiten, die ich gut nutzen kann. Da gibt es Begegnungen, die mir guttun. Es gibt Menschen, denen ich vertrauen kann und die mit mir auf dem Weg sind. Und ich vertraue Gott, der mir bei Schwierigkeiten zur Seite steht und hilft.

Wenn mir das bewusst ist, kann ich den Tag durchaus mit einem zuversichtlichen Lob beginnen und mit Dankbarkeit beenden.

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