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Spielen mit Gottes Weisheit
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Spielen mit Gottes Weisheit

Dr. Ansgar Wucherpfennig
Ein Beitrag von

Dr. Ansgar Wucherpfennig,

Jesuitenpater, Professor für Neues Testament und Rektor der Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt

Neulich war ich abends bei Freunden zu einem gemütlichen Abendessen und danach haben wir überlegt: Was tun wir jetzt? Einen Film sehen oder spielen? Am Ende lief es auf den Film hinaus. Auch ich habe nicht den Mut gehabt, mich fürs Spielen einzusetzen. Der Abend war ganz schön, aber es waren nicht alle mit dem Film zufrieden. Eigentlich finde ich wunderbar, abends mit anderen zu spielen, und trotzdem raffe ich mich zu selten dazu auf. Dann surfe ich lieber abends allein noch durch den Computer oder schreibe noch ein E-Mail für die Arbeit. Oft ist dann schnell ein ganzer Abend vergangen und am Ende bleibt trotzdem nur ein leeres Gefühl.

Beim Spielen ist es anders. Da geht es um Einsatz, schnelle Reaktion, Mitdenken und Gewinnen. Es bringt mich mit den Anderen zusammen, selbst wenn ich verliere. Das ist nicht so leicht, ich habe auch schon mal die Karten hingeschmissen, wenn ich das xte mal mit einem schlechten Blatt verloren habe. Aber wenn ich nicht mit Anstand verlieren kann, dann verderbe ich mir das Spiel und den Anderen auch. Selbst große Fußballmannschaften müssen verlieren können, nicht nur in Berlin oder jetzt in Russland. „Mensch, ärgere dich nicht“ habe ich schon als Kind zu Hause gespielt, und der Name trifft es: Mensch, ärgere dich nicht! ist auch ein passendes Motto für den Alltag, wenn das Spiel vorüber ist. Ehrgeizlinge, die, sich ständig ärgern, wenn sie nicht die Ersten sind, verderben nicht nur das Spiel, sondern machen auch das Leben schwer.

In der Bibel ist das Spielen eine Sache der Weisheit. Und aus dem Mund der Weisheit klingt das so: „Als Gott den Himmel baute, war ich dabei, als er den Erdkreis abmaß über den Wassern, als er droben die Wolken befestigte (…), als er dem Meer sein Gesetz gab und die Wasser seinen Befehl nicht übertreten durften (…), da war ich als geliebtes Kind bei Gott. Ich war Gottes Freude Tag für Tag und spielte vor ihm allezeit. Ich spielte auf seinem Erdenrund und meine Freude war es bei den Menschen zu sein“ So heißt es im Buch der Sprichwörter (Buch der Sprichwörter 8,27–31).

Die Weisheit ist Gottes geliebtes Kind. Sie spielt zwischen Gott und Menschen und vergnügt sich über beide. Spielend hat sie Gott zugeschaut und ihm dabei geholfen, Himmel, Wolken und Meere zu schaffen. Spielend schaut sie aber auch den Menschen zu und hilft ihnen bei ihrem Tagewerk. Ihr Geist und ihre Phantasie helfen mir auch bei dem, was ich den Tag über heute beginne; zum Beispiel, dass ich es sportlich nehme, wenn ich heute einmal den Kürzeren ziehe. Sie gibt mir kreative Gedanken und wird mich auch überraschen. Eines aber ist sicher, wenn ich mich auf das Spiel mit der Weisheit einlasse, dann wird heute Abend kein leerer Tag für mich gewesen sein.

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