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Abraham, Sara und Hagar – die Patchworkfamilie der Bibel
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Abraham, Sara und Hagar – die Patchworkfamilie der Bibel

Pia Arnold-Rammé
Ein Beitrag von

Pia Arnold-Rammé,

Katholische Pastoralreferentin, Referentin für Sozialpastoral, Frankfurt

Sara ist eine alte Frau und denkt, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann. Deshalb schwängert ihr Mann Abraham auf ihren Vorschlag hin ihre Magd Hagar. Die bringt Ismael zur Welt. Doch dann wird Sara wieder erwarten doch noch schwanger und bekommt Isaak. Als die Kinder größer werden, merkt Sara, dass ihr diese Großfamilie nicht mehr so recht gefällt. Außerdem will sie nicht, dass ihr Sohn sich das Erbe mit seinem Halbbruder teilen muss. Also fordert sie Abraham auf, Hagar und Ismael rauszuschmeißen. Und der macht das dann auch, trotz vieler Bedenken.

Diese Geschichte hört sich nach Hollywood-Kino an, steht aber in der Bibel. Dieser Abraham ist der Stammvater der großen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Hagar geht in die Wüste, nachdem sie von Abraham rausgeworfen wurde, und sie denkt: „Jetzt müssen wir sterben, mein Kind und ich. Aber dann sieht sie eine Quelle, die beiden können trinken, und sie überleben. Dieser Ort der Quelle: Dort ist heute die Kaaba in Mekka, der heilige Ort der Muslimen. Denn Ismael wird der Stammvater der Muslime. Und aus der Traditionslinie des Isaaks, des Sohnes der Sarah, entsteht das Judentum. Diese Quasi Patchworkfamilie verbindet also die drei Religionen, denn auch Jesus ist ja Jude und steht damit in der Tradition des Abrahams und Isaaks.

Die Geschichte von Abraham, Sara und Hagar gefällt mir, denn sie ist sehr nahe dran an der menschlichen Realität. Es geht um Neid, Missgunst und Eifersucht, aber es geht auch um Zuneigung, Kinder und Familienleben. Und trotz allem Streit gehören sie zusammen, sind gemeinsam eine Großfamilie. Ich meine, dass sich die Religionen diese Geschichte immer mal wieder vor Augen führen sollten. Denn das könnte helfen: Trotz allem Streit, trotz mancher Konflikte, ja trotz Trennung und Neubeginn gehören wir alle zu einer gemeinsamen Familie, haben wir dieselben Wurzeln und viele Gemeinsamkeiten. Da gibt es niemanden, der „nicht dazu gehört“, auch wenn es nicht immer einfach ist. Wie eben in einer richtigen Familie auch. Die hab ich mir ja nicht ausgesucht, da werd ich einfach hineingeboren. Und das kann mehr oder weniger anstrengend sein, aber es lässt mich nicht los. Und oft ist es ja auch gut so. Wenn das mit Juden, Christen und Muslimen auch so funktionieren könnte, wäre doch schon viel gewonnen!

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