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Zum Kuckuck mit der Hektik…
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Zum Kuckuck mit der Hektik…

Christoph Schäfer
Ein Beitrag von

Christoph Schäfer,

Katholischer Religionslehrer, Rüsselsheim

Wenn es bei mir mal wieder hektisch zugeht, dann denke ich gerne an eine ganz besondere Schwarzwälder Urlaubsbekanntschaft zurück. Und sofort fange ich an, die Dinge gelassener zu nehmen. Diese Urlaubsbekanntschaft besitzt einen bemerkenswerten Charakter, obwohl es sich bei ihr noch nicht einmal um ein echtes Lebewesen handelt. Es geht um einen ganz besonderen Kuckuck in einer Kuckucksuhr. Normalerweise sind diese Tierfiguren ja so konstruiert: Sie verharren meist reglos im Uhrgehäuse. Und zur vollen Stunde schwirren sie dann getreu einer präzisen Mechanik aus einer Öffnung über dem Zifferblatt heraus und rufen so oft „Kuckuck“, wie es die aktuelle Uhrzeit vorgibt. Schlägt es zwölf Uhr mittags, verlässt der Kuckuck exakt zwölf Mal das Uhrengehäuse und ruft Kuckuck. So ist die Regel, an die sich vermutlich praktisch alle Uhren-Kuckucke zwischen Freudenstadt und Freiburg halten.

Nicht so meine Urlaubsbekanntschaft: ein charmant-eigenwilliges Exemplar im Frühstücksraum einer Pension des Schwarzwaldörtchens Todtnauberg. Dieser Kuckucksuhr-Kuckuck liegt bei seiner Zeitansage stets zwei Stunden hinter der ihm eigentlich vorgegebenen Zeit. Das bedeutet: Signalisieren die Zeiger hinter ihm auf dem Zifferblatt seines Gehäuses genau „zwölf Uhr“, spaziert er zwar ins Freie – bequemt sich aber lediglich zu zehn Kuckucksrufen. Amüsiert habe ich die Pensionswirtin auf ihren verbummelten Mitarbeiter angesprochen. Und sie hat mir seufzend geantwortet: „Wir haben schon oft an ihm herumgeschraubt, aber diese Marotte bekommen wir nicht in den Griff.“ Und dann hat sie augenzwinkernd hinzugefügt: „Also lassen wir die Uhr jetzt erst mal so.“

Ich musste schmunzeln über diesen besonderen Kuckuck: Bei ihm gehen die Uhren im wahrsten Sinne des Wortes anders – und er lässt sich nicht durch Zeitvorgaben aus der Ruhe bringen. Und das passt doch eigentlich gut zu einer Ferienpension, in der man ja mal einen Gang zurückschalten möchte. Schnell haben sich alle Pensionsgäste daran gewöhnt, dass man von diesem Kuckuck zwar nicht erfährt, wann man am besten zur Bushaltestelle aufbricht – aber dafür etwas anderes lernen kann: Gelassenheit. Und wenn ich an den Kuckucksuhren-Kuckuck von Todtnauberg zurückdenke, dann kann ich diese Gelassenheit tatsächlich auch in meinem Alltag immer wieder spüren.

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