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Die Bohne
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Die Bohne

Jochen Straub
Ein Beitrag von

Jochen Straub,

Seelsorge für Menschen mit Behinderung im Bistum Limburg

Heute ist wieder mal so ein Bohnen-Tag für mich. Sogar Menschen in meiner Umgebung fällt das manchmal auf, und sie fragen mich: „Hast du heute wieder deinen Bohnen-Tag?“ „Ja, heute ist so ein Tag“ und ich gebe zu: es ist ein Tick von mir. Diesen Tick habe ich gelernt von einer Geschichte von einem alten Grafen. Dieser alte Graf wurde nämlich einmal gefragt, warum er so zufrieden lebt und ob das mit den Bohnen zu tun haben könnte. „Ja“, sagte er, „vielleicht hat es damit zu tun.“ Und dann erzählte der alte Graf, was es mit den Bohnen auf sich hat:

An jedem Morgen, wenn er das Haus verließ, steckte er sich eine Handvoll Bohnen in die rechte Jackentasche. Für jeden schönen Moment, den der alte Graf während des Tages erlebte, wanderte eine Bohne von der rechten Jackentasche in die linke Jackentasche. Abends, wenn der alte Graf dann wieder zuhause war, griff er in die linke Tasche und erinnerte sich an all die schönen Momente. Sein Lebensmotto lautete: Selbst wenn an einem Abend nur eine Bohne in der linken Jackentasche ist, dann hat sich der Tag zu leben gelohnt.

Mir hilft diese Geschichte, die schönen Momente am Tag zu erleben und sie bewusster zu erleben. Und manchmal mache ich es wirklich: Morgens stecke ich mir eine Handvoll Bohnen in die rechte Jackentasche, und für jedes schöne Erlebnis wandert eine Bohne von rechts nach links in die Tasche. Da gibt es so vieles: Das Lächeln von Auto zu Auto beim Warten vor der roten Ampel, der frohe Gruß einer Kollegin, die gute Tasse Kaffee, die Scheibe frisch gebackenes Brot beim Abendessen mit meiner Familie oder die gute Tasse Tee dazu – und manchmal ganz Vieles mehr.

Wenn ich dann abends an diese schönen Momente denke, dann sage ich: Danke. Es ist dann wie ein Gebet, in dem ich Gott Danke sage für die vielen schönen Dinge an diesem Tag.

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