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Zeitverlust
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Zeitverlust

Kurt Grützner
Ein Beitrag von

Kurt Grützner,

Landespolizeipfarrer der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Kassel
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„Autobahn 08/15, zwischen Anschlussstelle Kleindorf und Großstadt: 5 km Stau.
Zeitverlust 20 Minuten.“ Solche Durchsagen können einem die Laune für den Tag vermiesen. Arm dran, wer da jeden Tag durch muss.

Aber was ist Zeitverlust? Kann ich Zeit verlieren? Und wenn ja: Wo geht sie dann hin? Löst sie sich einfach auf? Bekommt sie jemand anderes? Oder wird sie einfach weggespült?

Klar ist: Mein Zeitplan kommt durcheinander. Da, wo ich hin will, werde ich später ankommen als geplant. Und das kann sehr unangenehm sein. Keine Frage. Aber diese 20 Minuten im Stau sind und bleiben 20 Minuten meiner Lebenszeit. Was ich verliere, ist mein Zeitplan. Er klappt nicht mehr. Lebenszeit verliere ich aber nicht.

„Warten ist eine fruchtbare Zeit“, habe ich mal im Kloster gehört. Ob das auch im Stau stimmt? Ok, manche frühstücken im Stau, andere schminken sich. Das ist pfiffig. Allerdings dient es letztlich auch wieder dem Zeitplan – und nicht der Lebenszeit. Denn beides gleicht nur den Zeitverlust aus, den ich zuvor gehabt hätte, wenn ich noch zu Hause gefrühstückt hätte.

Ich befürchte, ich habe zu sehr gelernt, meine Zeit zu verplanen. Und wenn meine Zeitpläne durcheinandergeraten, dann habe ich das Gefühl, Zeit zu verlieren. Unnütze Zeit! Vertane Zeit! Verschenkte Zeit!!

Moment mal: Zeit verschenken. Das kann doch auch was Schönes sein. Jemandem Zeit schenken. Zeit gemeinsam verbringen. Wunderbar.

Wie wäre es, ich schenke mir selber mal die 20 Minuten im Stau. Zum Durchatmen, nachdenken, zur Ruhe kommen. Vielleicht würde die Wartezeit dann eine fruchtbare Zeit.

Ein Psalm (Ps. 31,16) erinnert mich: „Meine Zeit steht in Gottes Händen“ Mir hilft das, Wartezeit als fruchtbare Zeit zu nehmen.

 

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