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Wir sind da
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Wir sind da

Andrea Wöllenstein
Ein Beitrag von

Andrea Wöllenstein,

Pfarrerin im Referat Erwachsenenbildung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Marburg

„Wir sind da“. In großen Buchstaben stehen diese drei Worte auf der Rückseite des kleinen Lieferwagens, hinter dem ich mit dem Auto auf der Landstraße herzockele. Kein Firmenname. Nur dieser Satz: „Wir sind da“. Daneben im Schattenriss das Gesicht eines Mannes mit einem Earphone, einem kleinen Kopfhörer.
Eine klare Botschaft: Ich kann ihn anrufen. Jederzeit seine Kompetenz anfragen. Er ist da, wird mir helfen und zu mir kommen, wenn ich ihn brauche. Eine starke Werbung! Sie macht mich neugierig. Ich fahre ein bisschen näher ran, um das Kleingedruckte zu lesen. Was für ein Unternehmen ist das? Welche Dienstleistung wird hier angeboten? Es ist ein Tankstellenservice. Schade! Das ist nun nicht gerade das, was ich jeden Tag brauche.
Aber die Werbung hat ihr Ziel erreicht. Sie hat mich angesprochen – nicht auf einer sachlichen, sondern auf einer emotionalen Ebene. Denn – wer wünscht sich das nicht? Dass jemand da ist, wenn ich ihn brauche. An den ich mich wenden kann, der ein offenes Ohr hat für meine Probleme.

Ob die Leute vom Tankstellenservice wissen, dass sie mit ihrem Werbeslogan die Bibel zitieren? Ihr Satz steht ganz ähnlich in der Geschichte von Mose. Der hat von Gott den Auftrag bekommen, das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten zu führen. Er soll zum Pharao gehen und Freiheit fordern für sein Volk. Aber - wie soll das gehen? fragt sich Mose. Wie stehe ich da? Ich bin ein Niemand vor dem großen, mächtigen Pharao. Was soll ich sagen, wenn er fragt: Wer schickt dich? Wer steht hinter dir? Wie heißt der, in dessen Auftrag du kommst? „Ich bin da.“, antwortet Gott, „das ist mein Name. Du sollst sagen: Ich bin da hat mich geschickt.“ Und fast wie das Piktogramm auf dem Lieferwagen von dem Mann mit Kopfhörer stellt sich Gott an einer anderer Stelle der Bibel vor, in dem er sagt: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.“ (Psalm 50,15)
Das Großartige daran: Es gibt bei Gott kein Kleingedrucktes. Keine Beschränkung auf nur eine Branche. Dieser Service steht jedem offen. Kostenfrei. Tag und Nacht. Ich kann zu ihm kommen, ihn anrufen, immer und überall. Egal, welche Probleme mich drücken. Ob ich krank bin oder gesund, traurig oder fröhlich. Ob ich Trost suche, oder jemanden, mit dem ich meine Freude teilen kann. Ob ich meine wirren Gedanken sortieren will oder eine Richtung suche für den nächsten Schritt. Gott sagt zu mir: „Ich bin da. Ich bin der ich bin für dich da.“ Und er lädt mich ein: „Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten und du sollst mich preisen.“

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