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Unabhängigkeitstag

Unabhängigkeitstag

Marcus C. Leitschuh
Ein Beitrag von

Marcus C. Leitschuh,

Katholischer Religionslehrer und Autor, Kassel
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Heute ist der amerikanische „Independence Day“ – der Unabhängigkeitstag. Am 4. Juli im Jahr 1776 erklärten sich die „Vereinigten Staaten von Amerika“ für unabhängig. Man wollte nicht mehr britische Kolonie sein. Und auch wenn ich gar nichts mit dem US-amerikanischen Unabhängigkeitstag zu tun habe, bringt mich der heutige Tag zu einem interessanten Gedanken: Jeder Mensch kann einen besonderen Unabhängigkeitstag begehen. Zu feiern gibt es die eigene Unabhängigkeit oder die Sehnsucht, mehr Freiheit für sich haben zu wollen. Ich genieße es jeden Tag, Meinungsfreiheit erleben zu dürfen. Mehr noch: Schon in der Antike gibt es einen Grundgedanken, der vor 250 Jahren bei uns zum Volkslied wird: sogar „Die Gedanken sind frei.“Wir können in Deutschland frei und unabhängig leben. Eingeschränkt nur durch Rücksichtnahme und durch Gesetze und Regeln, die wir uns für ein gemeinsames Leben gegeben haben. Denn: Meine Freiheit hört immer da auf, wo die Freiheit des Nächsten beginnt. Für unsere Freiheiten haben Menschen lange gekämpft und gestritten. Und es gibt auf der Welt immer noch Länder, in denen die Menschenrechte nicht verwirklicht sind, wo Unabhängigkeit eine Sehnsucht, aber keine Lebensrealität ist. In diesem Sinne zum Beispiel könnte jeder Mensch seinen persönlichen Unabhängigkeitstag begehen. Einen Grund dafür findet man auch in der Bibel. Laut dem biblischen Autor Johannes sagte Jesus in seiner letzten großen Rede: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte.“  Statt Diener sind wir für ihn Freunde. Befreit von Unterdrückung und Fremdherrschaft. Für die Menschen zur Zeit Jesu sind diese Worte eine große Vision und Hoffnung. Sie erleben gerade ganz konkret die Herrschaft der Römer, sind nicht Herr im eigenen Land. Ihre Vorfahren waren aus der ägyptischen Sklaverei geflohen. Auf der Flucht und Suche nach Heimat und Freiheit. Für mich heute ist das ein großer Anspruch: Wir sind frei und keine Knechte und wir sollen deshalb auch Freiheit ermöglichen und erhalten: da wo ich anderen Menschen eine freie Meinung zubillige; wo ich durch mein Konsumverhalten mit dazu beitrage, dass durch mich auf anderen Erdteilen Menschen nicht ausgebeutet und unfrei sind. Ja, Unabhängigkeit gilt es immer wieder froh zu feiern. Gleichzeitig ist das aber auch dann eine Herausforderung an jeden Menschen, sie mit zu ermöglichen und damit dafür zu sorgen, dass aus Knechten freie Menschen und Freunde werden. Weltweit und im Alltagsleben vor Ihrer Haustür! Damit das nicht aus dem Blick verloren geht, können wir den heutigen Unabhängigkeitstag mit feiern.

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