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Stopp - Glauben konkret
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Stopp - Glauben konkret

Dr. Ursula Schoen
Ein Beitrag von

Dr. Ursula Schoen,

Prodekanin, Evangelisches Stadtdekanat Frankfurt

Ich will gerade auf die Straße laufen, um die Bahn noch zu erwischen. Da schreit jemand hinter mir: Stopp! Schon rast von links ein Auto an mir vorbei. Ich bleibe starr vor Schreck an der Bordsteinkante stehen. Was wäre passiert, wenn ich auf die Straße gelaufen wäre. Wenn nicht jemand hinter mir gerufen hätte: Stopp! Das will ich mir gar nicht ausmalen. Ich drehe mich zu dem Mann hinter mir um: Danke!

Jeder kennt das Gefühl, unter Druck zu sein, schnell noch etwas erledigen zu müssen oder mit letzter Kraft irgendwo anzukommen. Ständig unter Strom zu stehen! Seit der Erfahrung am Straßenrand habe ich mir vorgenommen: Nie wieder laufe ich einem Bus oder einer Bahn hinterher. Lieber setze ich mich in Ruhe an die Haltstelle und warte auf die nächste Bahn. In anderen Bereichen meines Lebens klappt das nicht so gut. Dann bin ich immer wieder froh, wenn andere zu mir sagen: Stopp!

Nicht immer geht es dabei um Leben und Tod. Manchmal ist einfach nur ein Moment der Ruhe angesagt. Einfach mal nicht gehetzt, sondern mit Bedacht zu essen oder einen Weg zu genießen. Gerne lasse ich mir das inzwischen auch von anderen sagen. Wenn ich hektisch im Büro herumrenne, sagt mein Kollege: Setz dich doch mal! Oder ich komme todmüde von einem langen Arbeitstag nach Hause, und meine Tochter schlägt mir vor: Leg dich doch einfach mal ins Bett! Es tut gut, wenn andere das zu mir sagen. Wenn ich ihre Fürsorge spüre.

Auch mein Glaube ist für mich immer mehr zu einem solchen Stopp-Schild geworden. Ganz besonders spüre ich das im Gottesdienst am Sonntag. Er ist so eine Art Haltepunkt in meiner Woche. Im Gottesdienst gebe ich einfach einmal Ruhe, werde still, lasse mir etwas sagen. Andere sprechen für mich.

Ich lasse mich in die Worte der biblischen Texte und alten Choräle fallen. Durch sie spricht Gott zu mir. Ich spüre, dass ich gehalten bin. Ich lasse das los, was mich beschäftigt. Ich lege die Sorge für mein Leben und meine Umwelt für einen Augenblick in die Hände Gottes. Ich nehme von seiner Kraft. Ich lasse mich von seinem Geist erfüllen und seiner Liebe tragen. Am Ende des Gottesdienstes empfinde ich oft große Dankbarkeit. Dann möchte ich mich wie neulich am Straßenrand einfach umdrehen und sagen: Danke!

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