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Stinkefinger-Jesus
Bildquelle Pixabay

Stinkefinger-Jesus

Dr. Fabian Vogt
Ein Beitrag von

Dr. Fabian Vogt,

Evangelischer Pfarrer in der Öffentlichkeitsarbeit, Darmstadt

Moderator/in: Wilde Diskussionen in Mörfelden-Walldorf: Bei einer Graffiti-Aktion hat ein Künstler eine große Jesus-Figur an die Bahnhofsunterführung gesprayt. Nur segnet er die Leute nicht, sondern zeigt ihnen den Stinkefinger. Fabian Vogt von der evangelischen Kirche: Ist so was einfach nur Blasphemie oder ist das Kunst? Was denkst du?

Na, erst mal hat der Künstler sein Ziel erreicht: Die Leute reden drüber. Jesus mit Stinkefinger: Geht das oder geht das nicht?
Ich finde es spannend, dass Jesus nach wie vor eine Aufregung wert ist. Der Künstler hätte ja auch die Biene Maja mit Stinkefinger malen können. Hat er aber nicht, weil er wusste: Jesus Christus steht seit 2000 Jahren für Provokation.
Es könnte daher sogar sein, dass Jesus so eine Darstellung eigentlich ganz passend gefunden hätte.

Weil er zu seiner Zeit den Leuten auch den Stinkefinger gezeigt hat?

Ja, im übertragenen Sinn kann man so sagen. Zumindest hat er immer wieder Sachen gesagt und gemacht, die damals absolut Tabu waren.
Zum Beispiel hat er sich ständig mit Menschen umgeben, die in der feinen Gesellschaft zutiefst verachtet waren: mit Prostituierten, mit Finanzhaien, mit Aussätzigen oder mit Andersgläubigen.
Nicht, weil er bloß provozieren wollte, sondern um zu zeigen: Gott grenzt niemanden aus. Und Menschen sollen das auch nicht machen.
Wäre doch schön, wenn so ein provakantes Bild wie das in Mörfelden-Walldorf anregt, darüber nachzudenken, was Jesus wohl heute kritisieren würde.

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