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Orte zum Trauern

Orte zum Trauern

Gunnar Bach
Ein Beitrag von

Gunnar Bach,

Katholischer Pastoralreferent, Pfarrei Liebfrauen, Westerburg
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Wo gehe ich hin, wenn ich um einen lieben Menschen trauere? Viele Menschen gehen auf den Friedhof, für immer mehr ist aber auch ein Friedwald oder eine Ruhewald ein guter Ort zum Trauern. Manche gehen auch in eine Kirche, zünden eine Kerze an und denken an den Verstorbenen. Andere brauchen für ihre Trauer gar keinen besonderen Ort. Sie denken im Alltag an den lieben Menschen, tragen ihre Erinnerung im Herzen. Als Seelsorger, der beerdigt, bemerke ich immer mehr: Es gibt viele Formen und Rituale, mit denen ich um einen Menschen trauere.

Ab und zu habe ich das Notfallhandy unserer Pfarrei. Das habe ich dann Tag und Nacht bei mir, immer für eine Woche. Da kann man anrufen, wenn jemand im Sterben liegt oder gerade gestorben ist. Ich bemerke, das ist ganz wichtig, gerade in einer solchen Situation. Ich bin in der Stunde des Abschieds nicht allein. Ich kann einen Priester anrufen, der nach Hause kommt, mit mir betet und den sterbenden Menschen mit dem Heiligen Öl salbt, dem Chrisam. Chrisam hat mit Jesus Christus zu tun. Christus heißt übersetzt „Der Gesalbte“. Früher wurden nur Könige gesalbt, heute aber können das alle Christen als Stärkung empfangen, die alt oder schwer krank sind. Die Salbung tut nicht nur gut, sondern sie zeigt: ich gehöre zu Jesus Christus, bin Sohn oder Tochter Gottes. Diese Würde kann mir nichts und niemand nehmen, auch der Tod nicht. Wenn der Kranke zuhause gestorben ist, wird er mit dem Weihwasser gesegnet. Ohne Wasser gäbe es kein Leben auf dieser Erde. Das geweihte Wasser, das auch bei der Taufe verwendet wird, steht für das ewige Leben im Himmel.

Ich kann mir vorstellen, dass Trauernde Angebote nutzen wollen, die nicht im eigenen Ort sind. In Kölbingen, wo ich arbeite, gibt es eine alte Kapelle. Sie wird nur einmal im Jahr genutzt, am Volkstrauertag. Ich hab schon überlegt: Ich würde da gern mal eine Andacht anbieten, Trauernde aus den umliegenden Dörfern treffen. Sie könnten ein Foto mitbringen eines Menschen, um den sie trauern, gemeinsam in Stille eine Kerze anzünden.

Egal, wie Menschen heute ihre Trauer leben, an welchen Orten, in welchen Ritualen: ich glaube, das Wichtigste ist, dass sie spüren: ich bin in meiner Trauer nicht allein.

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