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Mit Barbara durch den Tunnel

Mit Barbara durch den Tunnel

Rolf Müller
Ein Beitrag von

Rolf Müller,

Pastoralreferent Pfarrei Mariä Himmelfahrt, Frankfurt
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In Frankfurt wird im Moment ein Tunnel durch den Boden gegraben. Er wird für die Verlängerung der U-Bahn-Linie 5 in das neue Europaviertel gebraucht. Als vor drei Monaten die Bohrarbeiten angefangen haben, war ich echt überrascht. Denn da wurde eine Figur der Heiligen Barbara für den Tunnel am Eingang aufgestellt und gesegnet. Ich war erstaunt: „So einen alten Brauch gibt es noch, und das im so weltlichen Frankfurt!“
 

Ich hab mir überlegt, warum das wohl so ist. Vermutlich wissen die Tunnelbauer noch ganz genau: Einen Tunnel zu bohren, das ist eine gefährliche Sache! Ich weiß: Ein Tunnel ist für viele Menschen etwas Unheimliches, durch das man möglichst schnell hindurch muss. Da kann eine Heilige doch nicht schaden, denke ich mir, und die Heilige Barbara ist genau richtig! Sie ist die Patronin aller Bergleute, Tunnelbauer und Tunnelbenutzer. Das kommt daher: Die Heilige, die im vierten Jahrhundert gelebt hat, ist einer Legende nach auf der Flucht vor ihrem grausamen Vater sicher durch eine gefährliche Bergspalte hindurch gewandert.

Heute am 4. Dezember ist der Gedenktag der Heiligen, der „Barbaratag“. Heute denke ich an die Tunnelbauer von Frankfurt und an die Menschen, die auf einem Weg durch einen Tunnel sind. Damit meine ich nicht nur die echten Tunnel unter der Erde oder in einem Berg. Sondern auch die, die gerade durch eine schwere Zeit müssen, die durch einen „inneren Tunnel“ müssen. Da kenne ich viele! Die Frau aus meiner Gemeinde, die um ihren viel zu früh verstorbenen Mann trauert. Der junge Mann, der gerade durch seine entscheidende Prüfung im Studium durchgefallen ist und jetzt nicht weiß, wie es weitergehen soll. Ich will diesen Menschen zeigen: Sie sind nicht alleine. Dafür reicht manchmal ein kleiner Anruf, eine kurze Nachricht oder eine kleine Geste. Die heilige Barbara erinnert mich daran: Besonders die Menschen im Tunnel lässt Gott nicht allein.

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