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Maria und Marta - Zwei unterschiedliche Schwestern
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Maria und Marta - Zwei unterschiedliche Schwestern

Dr. Anke Spory
Ein Beitrag von

Dr. Anke Spory,

Evangelische Pfarrerin, Bad Homburg-Gonzenheim
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Manchmal habe ich das Gefühl, mir wird alles zu viel. Dann mache ich innerlich Listen mit all dem, was ich noch erledigen will. Aber auch dabei, beim Organisieren, werde ich manchmal unzufrieden. Dann denke ich: Andere haben es einfacher. Oder: Sie machen es sich einfacher. Nehmen es halt nicht so genau. Wenn mir alles zu viel wird, fühle ich mich schnell als Opfer.

Eine biblische Geschichte hilft mir in solchen Situationen, mir klarzumachen, was ich eigentlich will. Es ist die Geschichte von zwei unterschiedlichen Schwestern. Maria und Marta heißen sie. Marta, die eine Schwester, lädt Jesus zu sich in das Haus ein. Sie hat von ihm gehört, sie freut sich, dass er ihr Gast sein kann. Und sie tut alles Mögliche, um eine besondere Gastgeberin zu sein. Der Evangelist Lukas hat die Geschichte so erzählt: „Marta aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen“. Im Griechischen Original klingt das Verb noch drastischer als in der deutschen Übersetzung. Sich viel zu schaffen machen, heißt „nach allen Seiten gezerrt werden oder absorbiert sein, zerstreut sein“. Marta ist also ganz und gar in Anspruch genommen. Sie funktioniert automatisch. Lukas erzählt: Ihre Schwester Maria hingegen, setzte sich hin und hörte Jesus zu.

Marta ist sauer. Sie findet, auch ihre Schwester sollte sich an den Hausarbeiten beteiligen. Das sagt sie allerdings nicht Maria, sondern Jesus: „Sag du ihr, sie soll mir helfen!“

Und dann antwortet Jesus: Notwendig ist nur wenig.Maria hat das gute Teil erwählt. Notwendig ist nur wenig. Das heißt ja: Es ist vielleicht nicht soviel Aufwand notwendig, wie Marta ihn betreibt, einen Aufwand, der sie selbst voller Unruhe zurück lässt und mit dem Gefühl, hin- und hergerissen zu sein. Gastfreundlich zu sein ist nicht schlecht. Wenn sie aber dazu führt, nur noch zu funktionieren, dann stimmt etwas nicht.

Und dann fügt Jesus hinzu: Maria hat gewählt. Das heißt ja soviel wie: Sie hat sich bewusst entschieden, sie hat bewusst eine Wahl getroffen. Jesus spricht Marta auf ihre Unzufriedenheit an und sagt: Marta, du könntest es auch wählen. Deine eigene Unruhe hält dich davon ab. Auch du könntest dich hierher setzen, einfach zuhören. Niemand hält dich davon ab, außer du selbst.

Jesus gibt Marta die Verantwortung für ihr eigenes Handeln zurück. Und ich glaube, darin ist die Geschichte sehr zeitlos. Denn die meisten von uns wissen: Sich beschweren über andere, die es einfacher, leichter haben oder es sich leichter machen, das kenne ich. Und  sich selbst als Opfer fühlen und sagen: „ich kann ja nicht anders“, das ist mir auch bekannt.

Und dann erinnert mich jemand daran: Das, was ich mache, liegt auch in meiner Hand. Das höre ich dann nicht immer gerne. Aber es ist trotzdem hilfreich, sich an die eigene Verantwortung zu erinnern. 

Ja und dann? Dann treffe ich vielleicht auch Entscheidungen, die für die Menschen in meiner Nähe nicht so bequem sind. Wenn ich nicht mehr alles allein tue, müssen auch andere mit anpacken, damit es läuft. Und ich muss vielleicht aushalten, dass sie sich beschweren. Oder es nicht genauso läuft, wie ich es gut finde. Trotzdem ist es für mich gut, mich an Maria und Marta zu erinnern und das, was Jesus dazu sagt. Ich kann auch wählen. Ich bin verantwortlich für mein eigenes Handeln.

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