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Einer von uns
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Einer von uns

Michael Becker
Ein Beitrag von Michael Becker, Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Das Schönste an ihm ist der Spitzname: „Uns Uwe“ wird er genannt. Einer von uns: unser Uwe. Morgen wird Uwe Seeler achtzig Jahre alt. Und ist immer noch wie der Junge, der er mal war. Witzig, bescheiden, ehrlich, ein Hamburger mit Leib und Seele. Alles hat er erreicht. Nur Weltmeister war er nie. Da war die Torlinie dazwischen beim berühmten „Wembley-Tor“, das keins war. Uns Uwe wusste das immer, auch fünfzig Jahre später. „Jeder hat gesehen“, sagt er, „dass der Ball nicht drin war“, 1966 in England. Der Linienrichter aber sieht es anders, und Uwe wird nicht Weltmeister. Berühmt ist er trotzdem, bis heute.

Weil er einer von uns ist. Keiner, der abhebt. Keiner, dem der Ruhm zu Kopfe stieg. Uwe Seeler ist uns Uwe. Das Geld hat ihn nicht gelockt. Italien wollte ihn, Spanien auch. Sie boten viel Geld. Aber Uwe Seeler blieb daheim. Das machte den kleinen Mann groß. Obwohl seine Länge nur 1,68  beträgt, wuchs er in den Himmel, wenn er köpfte. Zur Not mit dem Hinterkopf. Noch heute geht er ins Stadion. Vor allem, wenn dem Hamburger SV der Abstieg droht. Vor dem Stadion dort steht ein riesiger Fuß aus Bronze. Ein Fuß von uns Uwe. Die Lichtgestalt, die nie eine sein wollte.

Vielleicht ist das sein Geheimnis: Groß ist er, weil er nie groß sein wollte. Und noch jeden Morgen staunt, wie beliebt er ist. Heute gibt es ja Lichtgestalten, die immer nur selber das Licht anknipsen, in dem sie sich sonnen. Uwe nicht. Der hat eine Eigenschaft, die selten ist: Bescheidenheit. Vielleicht sogar Demut. Als könne er dem lieben Gott nicht genug danken für all das, was aus ihm geworden ist, dem kleinen Jungen mit dem Lederball. Dem Schelm mit viel Witz. Als staune er noch täglich vor dem Spiegel, dass er, ja er, der Uwe Seeler ist. Der große, geliebte. Der doch einer von uns ist.

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