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Der Traum aller Träume
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Der Traum aller Träume

Michael Becker
Ein Beitrag von

Michael Becker,

Evangelischer Pfarrer i. R., Kassel
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Sein größter Traum war auch sein schönster. Er steht vor Hundertausenden und sagt: I have a dream – ich habe einen Traum. Nämlich den: Alle Menschen sind gleich erschaffen. Als er das sagt, ist Martin Luther King 34 Jahre alt. Fünf Jahre später wird er erschossen, heute vor fünfzig Jahren. Luther King ist 39 Jahre alt. Die Welt hält den Atem an. Wie kann man einen Gewaltlosen erschießen? Man kann. Es gibt nichts, was Menschen nicht können. Deswegen träumt man ja. Träumt von der Gleichheit aller Menschen und davon, dass sie keine Waffen mehr brauchen. Martin Luther King, Friedensnobelpreisträger, stirbt mit 39 Jahren. Sein größter Traum aber lebt.

Und wird immer größer, je mehr sich Menschen sortieren in oben und unten, weiß oder schwarz, krank oder gesund, arm oder reich und wie die Schubladen sonst noch alle heißen. All dieses Einordnen, diese Kästchen und Schubladen für Menschen haben nur ein Ziel, wenn wir ehrlich sind: Wir wollen möglichst auf der besseren Seite stehen, der richtigen, klügeren. So viele Menschen haben es nötig, leider, auf andere herabzusehen. Schon Kain sah auf Abel herab, der Pharisäer schaut schief auf den Zöllner, der Reiche auf den Bettler und der Weiße auf den Schwarzen. So viele brauchen das Gefühl, besser zu sein als andere, wenigstens ein bisschen. Kein Wunder, dass der Arme oder Kranke oder Schwarze dann den Traum Gottes träumt: Alle Menschen sind gleich erschaffen. Was ist so schwer daran, das zu glauben?

Es zu tun ist so schwer. Glauben tun es viele gerne und laut in Parteien und Kirchengemeinden: Dass wir alle gleiche Menschen sind vor Gott, dem Schöpfer.Wenn es aber in Einzelheiten des Alltags geht, möchte man doch wieder besser sein und klüger und auf der richtigen Seite. Dazu braucht man andere, die weniger klug und auf der falschen Seite stehen und eben nicht so gut sind wie wir. Jetzt heißt es „Stopp!“ sagen. Und zu sich sagen, in allem Ernst: „Ich will es nicht!“ Ich will keine Schublade. Der andere ist wie ich. Er denkt anders, ist aber nicht schlechter. Er handelt anders, ist aber nicht weniger klug. Ich will nicht sortieren. Lieber will ich träumen. Den Traum aller Träume: Alle Menschen sind gleich erschaffen. Jedes Handeln beginnt mit einem Traum.

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