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Barbara und der U-Bahn-Tunnel
Bildquelle: beate hirt

Barbara und der U-Bahn-Tunnel

Andrea Maschke
Ein Beitrag von

Andrea Maschke,

Katholische Pastoralreferentin in Bad Homburg / Friedrichsdorf
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Als vor ungefähr vierzig Jahren der U-Bahn-Tunnel in Frankfurt unter dem Main hindurch ins südlich gelegene Sachsenhausen gebaut wurde, war das eine Sensation.

Ich kann mich noch gut daran erinnern: Da war das wohlige Gruseln bei der Vorstellung, unter dem Fluss durchzufahren, aber auch die Hochachtung für die große Leistung der Architekten, der Ingenieure und Ingenieurinnen und all derer, die im Tiefbau dort gearbeitet hatten.

Die Tunnel wurden gebohrt und die unterirdische Haltestelle Schweizer Platz in einer Technik gebaut, die auch im Bergbau verwandt wird.

Und so ist es vielleicht ein bisschen kurios, aber auch nicht sehr verwunderlich, dass in der U-Bahn-Station Schweizer Platz kurz vor dem Beginn des Tunnels unter dem Main eine Statue der heiligen Barbara steht.

Schutzheilige der Bergleute und Tunnelbauer

Die heilige Barbara, deren Ehrentag die katholische Kirche heute begeht, ist nämlich die Patronin der Bergleute und der Architekten.

Warum das so ist, erschließt sich aus der Legende ihres Lebens, die ein bisschen wie ein Märchen klingt.

Barbara, so heißt es, war eine kluge und schöne junge Frau. Ihr Vater Dioscuros sperrte sie ihn einem Turm ein, um sie vor der Außenwelt abzuschirmen.

Viele jungen Männer hielten um ihre Hand an. Barbara aber bekehrte sich zum christlichen Glauben, ließ sich taufen und beschloss, nicht zu heiraten, sondern als Eremitin jungfräulich zu leben.

In den Turm ließ sie ein drittes Fenster einbauen, wie es heißt, als Zeichen der Dreifaltigkeit. Als ihr Vater erfährt, dass sie Christin geworden ist und noch dazu nicht heiraten möchte, trachtet er seiner Tochter nach dem Leben.

Sie kann fliehen und sich in einem Felsen verstecken, der sich wunderbarerweise vor ihr öffnet. Doch jemand verrät sie.

Und so kommt sie doch vor den Richter, wird gefoltert und, als sie ihrem Glauben nicht abschwört, vom eigenen Vater enthauptet. Es heißt, dass dieser direkt danach vom Blitz getroffen wurde.

Kein Recht, als Frau selbst über das eigene Leben zu entscheiden

Eine grausame Geschichte aus einer Zeit, nämlich dem frühen vierten Jahrhundert, als es noch gefährlich war, sich zu Jesus Christus zu bekennen.

Und erst recht, als Frau selbst über das eigene Leben zu entscheiden. Beides ist auch heute längst nicht überall selbstverständlich möglich.

Weil sie als Märtyrerin nicht nur mutig war, sondern auch der Fels sich vor Barbara öffnete und sie in ihren Turm ein drittes Fenster schlagen ließ, ihn also gewissermaßen umbaute, wurde sie zur Patronin der Bergleute und Architekten.

Vor allem in Gegenden, in denen Bergbau, vor allem unter Tage, betrieben wird und wurde, wird Barbara verehrt. Meistens wird sie mit dem Turm dargestellt, in den ihr Vater sie einsperren ließ.

Mutig der Dunkelheit mit blühenden Zeichen des Lebens getrotzt

Es gibt den schönen Brauch, am Barbaratag Barbarazweige, also Kirsch- oder andere Obstbaumzweige, zu schneiden und in die Vase zu stellen, damit sie in drei Wochen, an Weihnachten, dann blühen.

In manchen Gegenden ist es auch üblich, den sogenannten Barbaraweizen auszusäen, der auf der Fensterbank auch etwa an Weihnachten sprießt und grünt.

Lauter Lebenszeichen, die dem Winter und der Dunkelheit trotzen und nicht nur Freude machen, sondern auch an die mutige widerständige Kraft der Barbara erinnern.

Ich finde, solche Zeichen des Lebens und der Hoffnung können wir gerade gut brauchen.

 Allen Barbaras und Bärbels einen schönen Namenstag!

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