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Barbara, die Heilige des Wartenkönnens

Barbara, die Heilige des Wartenkönnens

Beate Hirt
Ein Beitrag von

Beate Hirt,

Senderbeauftragte der katholischen Kirche beim hr, Frankfurt
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Auf etwas warten: Das müssen wir heute eigentlich kaum noch. Früher ja, da mussten wir abends um Viertel nach sieben, wenn wir etwas vergessen hatten einzukaufen, bis zum nächsten Morgen warten, bis die Geschäfte wieder aufmachen. Heute können wir bis 20 Uhr oder noch länger in die Geschäfte sausen. Und natürlich können wir fast alles mit einem Klick im Internet bestellen. Auch Infos, Filme, Musik: die gibt’s jetzt und sofort im Netz, wir müssen nicht mehr warten.

Das ist einerseits schön – aber andererseits auch schade. Denn natürlich wird unsere Zeit dadurch hektischer und atemloser, es gibt kaum noch Pausen und Wartezeiten. Und dann ist Warten ja manchmal auch etwas sehr Schönes. Ich spür‘ das noch in den Wochen, bevor der neue Krimiband aus meiner Lieblingskrimireihe erscheint. Oder in den Tagen vor einer Verabredung mit jemandem, den ich mag und selten sehe. Warten bedeutet auch: Vorfreude. Und Hoffnung auf ein schönes Erlebnis.

Es kann auch die Hoffnung sein darauf, dass eine Pflanze blühen wird. Heute, am 4. Dezember, stellen viele Menschen Kirschzweige mit Knospen ins Wasser. In der Hoffnung, dass sie an Weihnachten blühen. Barbarazweige werden sie auch genannt, weil sie auf die heilige Barbara zurückgehen, heute ist ihr Gedenktag. Für mich ist diese Barbara auch die Heilige des Wartenkönnens und des Hoffens. Die Legende erzählt: Sie wurde wegen ihres Glaubens zum Tode verurteilt. Auf dem Weg ins Gefängnis ist sie mit ihrem Kleid an einem kahlen, winterlichen Zweig hängengeblieben. Den hat sie mitgenommen und in ihren Trinkbecher gestellt. Sie hat ihm Wasser gegeben und gewartet, und dann ist dieser kahle Zweig erblüht genau an dem Tag, an dem man sie getötet hat. Für Barbara war dieser blühende Zweig ein Zeichen: Das Leben geht weiter.

Ein Leben nach dem Tod: auch darauf hoffe und warte ich. Heute am 4. Dezember hätte meine Mutter Geburtstag, sie ist schon lange tot. Aber ich hoffe darauf und ich freu mich darauf: Einst werde ich sie wiedersehen. Wenn das Leben neu blüht, wie ein Barbarazweig.

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