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80. Geburtstag von Amos Oz
Bildquelle: Free Photos/Pixabay

80. Geburtstag von Amos Oz

Ute Zöllner
Ein Beitrag von

Ute Zöllner,

Evangelische Pfarrerin i.R., Pastoralpsychologin, Kassel
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Heute würde der israelische Schriftsteller Amos Oz 80 Jahre alt.

Mit bewegenden Worten hat sich Fania von ihrem Vater verabschiedet. Bei seinem Begräbnis spricht sie über ihren Vater Amos Oz. Sie meint, wenn ich das Glaubensbekenntnis meines Vaters in einem Satz zusammenfassen wollte, dann ist sein Gebot: „Du sollst nicht wehtun.“
Eine Erfahrung hat den Schriftsteller geprägt: Menschen können einander tief verletzen. Leider musste er das schon in seiner frühen Kindheit erleben. „Während meiner gesamten Kindheit schwebte eine schwere Wolke voller Schmerz und Enttäuschung und Unsicherheit über meinem Zuhause“, erzählt er in einem Interview. „Meine Mutter hat mich früh allein zurückgelassen.“ Diese Erfahrung hat Amos Oz sein Leben lang begleitet und bestimmt. Sie hat ihn aber auch zu einem verständnisvollen, milden Menschen gemacht. Er wollte sich nicht von den schweren Wolken bestimmen lassen. Die Verzweiflung, die er erlebt hat, zieht ihn nicht an. So gibt er sich einen neuen Namen. Mit 15 Jahren beschließt er, sich von nun an „Amos Oz“ zu nennen. „Oz“ - was übersetzt so viel heißt wie Stärke.

Amos Oz wurde ein Meister darin, Geschichten zu erzählen. Zum Beispiel die von Kobi und Ada. Kobi ist unglücklich in Ada verliebt - eine viel ältere Frau. Es ist eine Geschichte darüber, dass Menschen sich wehtun ohne es zu wollen. Zwischen beiden geschieht, wovon die Bibel schon berichtet. Menschen tun einander nicht das Gute an, obwohl sie es wollen. Das Böse, das sie nicht wollen, setzt sich durch.

Amos Oz erzählt seine Geschichte aus unterschiedlichen Blickrichtungen. Eines Abends begegnen sich Kobi und Ada. Sie gehen ein Stück zusammen im letzten Licht. Ausgerechnet in der Bücherei, zwischen vielen gedruckten Wörtern sucht Kobi nach passenden Sätzen.  Aber die die Worte, die er braucht, fallen ihm einfach nicht ein. Und Adas Worte erschrecken ihn. Am Ende sind beide über Kobis stürmische Umarmung unglücklich. Der Junge verkriecht sich voller Scham.

Obwohl seine Freunde sagen, dass es seine starke Seite sei, Gefühle in Worte zu fassen, gelingt ihm das ausgerechnet bei Ada nicht. Kobi und Ada werden zu Fremden, die aneinander vorübergehen als kennten sie sich nicht.
Als Leserin habe ich großes Mitgefühl mit Kobi und Ada. Wie schwer es ist, diesem Satz zu folgen: „Du sollst nicht wehtun.“

Amos Oz verteilt in der Geschichte keine Schuld. Für Kobi und Ada weckt er Verständnis. Aber er erzählt, dass Menschen immer auf Vergebung angewiesen sind. Kobi und Ada scheitern an ihren guten Absichten.  Das macht die beiden für mich so menschlich. Das macht Amos Oz für mich so menschlich.

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