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Höher, schneller, weiter! Aber bitte sauber!
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Höher, schneller, weiter! Aber bitte sauber!

Clemens Weißenberger
Ein Beitrag von

Clemens Weißenberger,

Katholischer Pastoralreferent, Frankfurt

Für mich ist das der Aufreger: der Umgang des IOC mit der russischen Mannschaft für die Olympischen Winterspiele. Um es gleich zu sagen: Ich bin dagegen, überhaupt einen russischen Sportler starten zu lassen, auch wenn es unter neutraler Flagge ist.

Schließlich existiert seit Jahrzehnten in Russland systematisches Staatsdoping. Das haben Recherchen vieler Journalisten an den Tag gebracht. Die Berichte haben immerhin dazu geführt, dass in Rio 2016 keine russische Mannschaft bei den Olympischen Spielen der Menschen mit Behinderung starten durfte. Das ist mal konsequent. Für die Spiele aber, die demnächst im südkoreanischen Pyeongchang beginnen, wird der Beschluss schon wieder aufgeweicht. Einzelne russische Sportler bekommen ein Startrecht für die Paralympics. Allerdings müssen sie unter anderem anerkennen, dass jahrelang in Russland systematisch gedopt wurde, und angeben, selbst nie gedopt zu haben. Schwer zu glauben.

Bei den Spielen für die Menschen ohne Behinderung ist es noch extremer, da hat das IOC eine ganz wachsweiche Haltung. Ich frage mich, warum das IOC so entschieden hat: Einzelne Russen können unter neutraler Flagge starten, die nachweislich nicht gedopt haben. Ich hab da, ehrlich gesagt, meine Zweifel. Immerhin haben der russische Staat und die russische Anti-Doping-Agentur alles dafür getan, flächendeckendes Doping zu vertuschen. Da wird sich nur etwas ändern, wenn Russland begreift, dass es nur willkommen ist, wenn es konsequent dem Staatsdoping eine Absage erteilt. Und wirklich begreifen kann das Russland erst, wenn es einen Komplettausschluss von den Olympischen Spielen gibt.

Sauer bin ich auch, weil es tatsächlich saubere russische Sportler gibt. Die sind angeschmiert. Aber da hilft nur eine eindeutige Haltung. Es widerspricht meinem Sportsgeist, mich mit Sportlern zu messen, die verbotene Mittel und Substanzen einsetzen, wenn sie gegen mich antreten. Das ist unethisch, und es ist Betrug. Staaten mit systematischem Doping gehören nicht nach Olympia, und das gilt dann konsequenterweise auch für alle anderen Sportarten und Wettbewerbe. Wer dopt, der betrügt und lügt, und das ist überall unethisch und eine falsche Sache, nicht nur im Sport. Auch in der Wirtschaft oder im privaten Bereich. Ich finde: Lügen und Betrügen darf man nicht einfach durchgehen lassen

Ich fühl mich nur wohl in einem Umfeld und in einer Gesellschaft, in der nicht betrogen wird, in der es ehrlich zugeht. Und ich schaue auch am liebsten Sportwettkämpfe, bei denen ich annehmen kann: hier wird fair gekämpft, sauber und ehrlich!

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