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Erzähl mir von dir!
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Erzähl mir von dir!

Martina Patenge
Ein Beitrag von

Martina Patenge,

Katholische Referentin für Glaubensvertiefung und Spiritualität, Kardinal-Volk-Haus Bingen

Zusammensein finde ich wunderbar. Bei jedem Treffen mit Familie oder Freunden finde ich das….da geht alles durcheinander und quer über den Tisch, fröhliche Stimmung und anregende Themen, die ganz Jungen reden mit dem Urgroßvater und die flügge gewordene Generation erzählt sich ihre Berufsanfangs-Geschichten. Es ist laut, und für intensivere Gespräche muss man sich dann doch in eine Ecke setzen, ein bisschen ungestörter. Ich höre dann auch besser als mitten in dem Gewusel, und es entwickelt sich vielleicht ein tieferes Gespräch. So geht es die ganze Zeit hin und her, sitzen hier zwei und dort drei und reden, da ein ganzes Grüppchen, und zwischendrin wieder alle viel zu eng um den großen Tisch. Am Ende klingeln allen die Ohren und alle sind glücklich und fröhlich und bitten darum, beim nächsten Mal wiederkommen zu dürfen. Dabei gibt es bei diesen Treffen keinerlei Programm, außer: „Erzähl mir von dir…“ und das ist eigentlich ganz leicht. Weil man dafür nichts braucht außer: Zeit, Interesse und Ohren. Das kostet nichts. Aber ein schönes Gespräch macht warm und glücklich.

Aber ich kenne zu gut auch die Klage: „Mir hört keiner zu!“ Oder: „Wem kann ich denn sonst schon mal erzählen, was mich wirklich bewegt?“ Und ich weiß von Familien, in denen kaum noch miteinander gesprochen wird. Oder dass zwar gesprochen, aber nicht zugehört wird. Schon Kinder im Kindergarten lassen ahnen, dass sie zu Hause wenig erzählen dürfen. Ach, ist das schade! Weil hören und zuhören und aufeinander hören so einfach ist, und so viel dabei im Herzen geschieht. Und jeder möchte doch ab und zu gehört werden. Wer erzählen kann, spürt: Es gibt mich noch. Ich bin noch da, und jetzt bin ich für ein paar Minuten für den anderen wichtig. Eine Bekannte erzählt mit roten Wangen vom Spazierengehen mit ihren Enkeln, die die ganze Zeit so viel zu erzählen haben. Das pure Leben, sagt sie. Die Kinder sind glücklich, die Oma ist glücklich, weil sie erfährt, was die Kinder so bewegt. Und die Mutter der Kinder ist auch glücklich, weil sie sieht, was da passiert.

Ich finde das spannend. Ich erfahre gern, was einen anderen Menschen bewegt. Es ist ein Geschenk, wenn jemand von sich erzählt und mir ein bisschen was aus seinem Leben anvertraut. Und umgekehrt.

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